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Zwischen Beruf und Bobby-Car
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Frauen und Karriere

Gefangen zwischen Büro und Bobby-Car

Claudia Obmann
Mütter sind nur sehr selten in den Führungsetagen deutscher Unternehmen anzutreffen. Zwei Frauen, die es geschafft haben, berichten von ihren Erfahrungen und geben Tipps für den Weg nach oben.
Kinder kommen meist am Anfang der Karriere – in den ersten fünf bis sechs Berufsjahren. Genau dann, wenn sich Anfänger beweisen müssen und Chefs entscheiden, wen sie befördern. Für junge Väter kein Problem. Aber junge Mütter, die den größten Teil der Elternzeit übernehmen, bleiben so häufig auf der Strecke.

"Sie sehen die Konkurrenz danach oft nur noch von hinten", sagt Daniela Seeliger. Die 42-jährige promovierte Juristin und Partnerin bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Linklaters in Düsseldorf weiß, wovon sie spricht. Die Spezialistin für EU- und Kartellrecht machte es bewusst anders und bekam ihre drei Kinder erst, nachdem sie es mit 32 Jahren bereits ins Topmanagement geschafft hatte.

Damit ist die gebürtige Hamburgerin eine von nur ganz wenigen Müttern an der Spitze ihrer Branche, in der 60-Stunden-Wochen keine Seltenheit sind, der Frauenanteil im Führungskader der fünf umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien bescheidene zwölf Prozent beträgt und Chefs Betriebskindergärten bislang als so überflüssig betrachten wie einen Regenschirm in der Wüste.

Babypause: ein hausgemachtes Unternehmensproblem

Doch mit dieser Haltung stehen Großkanzleien in der deutschen Wirtschaft keineswegs alleine da, wie die Studie "Wiedereinstieg nach der Elternzeit" des Bundesfamilienministeriums und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung zeigt. Den Ergebnissen der Umfrage zufolge, an der rund 130 Personalmanager teilgenommen haben, plant nur ein Drittel der Arbeitgeber schon vor Beginn der Elternzeit den beruflichen Wiedereinstieg mit seinen Mitarbeitern.

Alle anderen Chefs sind quasi überrascht, wenn Mütter wieder auf der Matte stehen und sich noch dazu einen Teilzeitjob wünschen. Dann auf Anhieb eine passende Stelle zu finden wird zum – hausgemachten – Hauptproblem bei der Rückkehr aus der Babypause.

Elternfreundlich durch flexible Arbeitszeiten

Zwar hat sich seit der letzten Erhebung 2007 schon etwas getan in Sachen Elternfreundlichkeit: So bietet fast jedes befragte Unternehmen flexible Arbeitszeiten, und auch gut die Hälfte unterstützt seine Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung. Doch gerade in diesem Punkt "besteht noch Luft nach oben", sagt Familienministerin Kristina Schröder – die selbst als erste Bundesministerin Deutschlands nach der Geburt ihrer Tochter Mutterschutz in Anspruch genommen hatte, bevor sie gerade mal zehn Wochen später ins Amt zurückkehrte.

Seitdem leidet auch sie wie alle karriereorientierten Mütter unter chronischem Zeitmangel (siehe Interview). Solchen Stress wollen sich immer weniger Frauen antun. Die Folge: Jede dritte Akademikerin in Deutschland bleibt kinderlos.


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