Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Tricksen bei der Jobsuche
Foto: Gina Sanders/Fotolia.com
Bewerbungspfusch

Gefährliche Tricksereien

Teil 4: Verlust von Reputation

Wer trickst, riskiert nicht nur auf-, sondern auch nachträglich beim Arbeitgeber rauszufliegen. Und wer Zeugnisse manipuliert, macht sich sogar strafbar wegen Urkundenfälschung, was mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafen geahndet werden kann.

Schon der Versuch ist eine Straftat.

Personalchefs sollten auf gar keinen Fall ein Auge zudrücken, wenn ein Bewerber oder sogar ein Mitarbeiter nachträglich beim Bewerbungsunterlagen-Tuning erwischt wird. Karsten Turck weiß aus eigener Erfahrung, "es verursacht einen massiven Vertrauensverlust - der Arbeitgeber wird den Verdacht nicht los, dass es der Betreffende auch auf anderen Gebieten nicht genau nimmt".

Wer einmal lügt...

Personalmanager und Firmenchefs, die bei der Einstellung zu lax vorgehen, können weitaus größere Sorgen bekommen. Das zeigen ebenfalls die Analysen der Detektei Kocks.

Denn rund 70 Prozent derjenigen Führungskräfte, die korrupt sind oder Geschäftsgeheimnisse verraten, haben schon bei ihrer Bewerbung geschummelt.

Das ergab die nachträgliche Analyse der Bewerbungsunterlagen von denjenigen, die später zum Beispiel als Top-Einkäufer von Lieferanten hohe Vermittlungsprämien kassiert haben oder Preislisten oder Konstruktionspläne beim Wechsel zur Konkurrenz mitgenommen haben.

Tatort Arbeitsplatz
 
Experte Lotze: "Alle Alarmsignale sind an, aber sie werden häufig ignoriert." Nicht selten liegt das daran, weil Personalmanager angesichts der Bewerberflut, die heute nicht mehr nur auf Papier, sondern eben auch über die unterschiedlichsten digitalen Kanäle bei ihnen anlandet, deutlich überlastet sind.

Doch Fehlbesetzungen sind teuer. Sie kosten nicht nur Geld, sondern auch Reputation. In den USA geht man deshalb weiter. Da wird auch das familiäre Umfeld eines Kandidaten von Spezialisten unter die Lupe genommen. Lotze: "Eine Finanzexpertin, die zum Beispiel einen Ehemann mit großen Schulden hat, bekommt in Amerika noch nicht mal einen Job als Buchhalterin." Auch ein kriminelles Familienmitglied kann so zum Ausschlusskriterium bei der Einstellung werden.

Das ist in Deutschland anders. Hier setzen Datenschutz-Bestimmungen Grenzen. So muss ein Stellenbewerber schriftlich in den Check seines Umfelds einwilligen. Detektiv Lotze weiß: Zwischen fünf und sieben Prozent ziehen dann ihre Bewerbung gleich wieder zurück.


Dieser Artikel ist erschienen am 25.04.2014

Themen im Überblick

Fair Company | Initiative