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Tricksen bei der Jobsuche
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Bewerbungspfusch

Gefährliche Tricksereien

Teil 3: Auf dünnem Eis

Auch Marcus Lentz von der gleichnamigen Wirtschaftsdetektei weiß aus seinem Ermittlungsalltag, wie breit das Spektrum der Schwindeleien ist: "Uns sind schon sehr dreiste Lügen untergekommen. In einem Fall hat ein Bewerber zum Geschäftsführer eine mehrmonatige Projektleitung in New York angegeben. Tatsächlich hatte er diese Zeit wegen Betrugs in einer Strafvollzugsanstalt verbracht."

Es gibt Schönfärberei, die sofort ins Auge springt. So hatte Renate Schuh-Eder neulich den Fall, dass ein Kandidat sein Arbeitszeugnis nachträglich aufgewertet, aber dummerweise für die neuen Passagen eine zweite Schriftart verwendet hat.

Und Detektiv Lotze wurde gleich argwöhnisch, als ein international erfahrener Manager sämtliche Zeugnisse seiner angeblichen unterschiedlichen in- und ausländischen Ex-Arbeitgeber auf Papier mit dem gleichen Wasserzeichen vorlegte.

Überführung per Zufall

Andere Kandidaten gehen vorsichtiger vor. Sie lassen bestimmte Daten im Lebenslauf einfach weg oder verlängern Zeiträume um ein paar Monate, um zu glätten.

"Solche kleinen Falschaussagen sind schwerer zu erkennen und zeigen sich meist erst durch Widersprüche im persönlichen Gespräch oder in Verbindung mit offiziellen Zeugnissen", sagt Schuh-Eder.

Und manchmal ist es schlicht Zufall, wenn Falschaussagen ans Tageslicht kommen.

"Ein kleines Licht"

Doch in jeder Branche gibt es einen Mikrokosmos, in dem man sich kennt und übereinander spricht. Hier begeben sich Kandidaten mit frisierten Unterlagen auf dünnes Eis.

Karsten Turck, der in den vergangenen 15 Jahren als Personalleiter großer US-Unternehmen in Deutschland tätig war, kennt die Reaktion auf einen fragwürdigen Stellenwechsel: "Was, den habt ihr als Direktor eingestellt, der war bei uns doch nur ein ganz kleines Licht."


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