Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Foto: sonyazhuravetc/Fotolia.com
Bellydance Coaching

Führungsfrauen als Bauchtänzerinnen

Interview von Tina Groll
Viele Managerinnen hätten verlernt, Frau zu sein, sagt die Tänzerin Coco Berlin. Denen bringt sie Bauchtanz für mehr Weiblichkeit bei. Was soll das?
Frau Berlin, Sie wollen Führungsfrauen mit Bauchtanz wieder Weiblichkeit beibringen. Was soll das?

(lacht) Weiblichkeit beibringen ist vielleicht etwas zugespitzt formuliert. Zu mir kommen Frauen – darunter viele, die eine Führungsposition in der Wirtschaft haben – die eine tiefe Sehnsucht haben, mehr Frau sein zu können. Vielfach müssen sich diese Frauen im Job verstellen oder vermännlichen. Das fängt bei der Kleidung an, etwa dem Hosenanzug, und geht bis zur Kommunikation in Führungspositionen.

Chefinnen, die zu weiblich rüberkommen, werden häufig als weniger kompetent oder zu weich wahrgenommen. Sind sie zu zackig, gelten sie als Zicken. Meine Kundinnen empfinden es als anstrengend, im Job oftmals distanziert und hart sein zu müssen. Beim Bauchtanz können sie sich fallen lassen, ganz emotional sein. Es ist eine zutiefst weibliche Tanzform.

Das heißt?

Im Bauchtanz geht alle Bewegung vom Becken und Beckenboden aus, also von der Körpermitte. Das ist gewissermaßen dort, wo die Weiblichkeit ihren Ursprung hat. Die Tänzerin drückt darüber alle Emotionen und ihre Verletzlichkeit aus. Der Tanz bekommt so etwas Magisches, Geheimnisvolles, natürlich auch Erotisches.

Chefinnen sollen also sexy sein?

(lacht) Eine böse Frage – aber: ja, warum denn nicht? Eine Frau, die sich sexy fühlt, ist näher bei sich selbst. Sie ist mit sich zufrieden, und das aktiviert Kraftquellen. Es gibt glücklicherweise immer mehr Managerinnen, die sehr sexy sind, zum Beispiel die Yahoo-Chefin Marissa Meyer und Facebook-Managerin Sheryl Sandberg. Bauchtänzerinnen und Führungsfrauen haben einiges gemeinsam. Der Tanz stammt ja aus dem Orient, wo Frauen stärker unterdrückt wurden und werden als die Frauen im Westen. In vielen arabischen Ländern ist es Frauen verboten, ihre Weiblichkeit offen zur Schau zu stellen.

Und auch Managerinnen haben Probleme, wenn sie ihre Weiblichkeit zu offen zeigen. Als sich Marissa Meyer in einem Interview mit der Vogue sexy präsentierte, gab es eine große Diskussion darum, wie erotisch eine Führungsfrau sich präsentieren darf. Doch ich bin mir sicher, dass sie selbst über so eine Diskussion nur gelacht hat. Als starke Frau definiert sie selbst, wie sie ihr Leben lebt und ihre Persönlichkeit ausdrückt. Frauen brauchen heute nicht mehr die besseren Männer zu sein, immer mehr von ihnen bringen ihre authentischen weiblichen Qualitäten in ihren erfrischend anderen Führungsstil.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick