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Ortswechsel

Friedensdienst in Kolumbien

Peter Marz
Die Sozialpädagogin Michaela Pfister arbeitet in Quibdó in Kolumbien. Auf karriere.de berichtet sie über ihre Arbeit als Entwicklungshelferin, die kolumbianische Kultur und das Leben im Regenwald. Exotische Tiere und tropisches Klima gehören für sie jetzt zum Alltag.
Gewöhnungsbedürftig: Das Klima im RegenwaldFoto: © lilychouvin - Fotolia.com
Mit dem Überlandbus nach Quibdó? Nein, davon rät Michaela Pfister dringend ab. Zu groß ist die Gefahr, in eine Schlucht zu stürzen. An der abgelegenen Strecke könnten auch Guerilleros oder andere bewaffnete Gruppen aus dem Urwald auftauchen. Die kolumbianische 160000-Einwohner-Stadt Quibdó liegt wie eine Insel im pazifischen Regenwald und ist nur per Flugzeug bequem und sicher zu erreichen. Auch wegen der langen Transportwege hat die Stadt im Landesvergleich recht hohe Lebenshaltungskosten.Ginge es der Bambergerin um Bequemlichkeit, hätte sie ihre Stelle gar nicht angenommen - in einer Stadt, die kein Kino hat und "keine Bar, die für meine Ansprüche angenehm wäre". Sie macht ihren Job aus Idealismus. Die 34-Jährige arbeitet mit Jugendbanden. Die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) hat sie im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes, eines Programms der Bundesregierung, an die Diözese Quibdó vermittelt. Zuvor war die Sozialpädagogin in Berlin in der Jugendhilfe tätig.

Die besten Jobs von allen

"Ich hatte Lust auf Südamerika und fand es spannend, das mit meinem Beruf zu kombinieren", sagt sie. Seit vier Monaten lebt sie in Quibdó, Hauptstadt des Chocó, der ärmsten Provinz Kolumbiens, die vor allem von Schwarzen bewohnt wird. "Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch: Die Aussichten, auf legalem Weg Geld zu verdienen, sind schlecht", sagt sie. Das bringt viele Jugendliche auf Abwege.Ameisen und SchlangenDie Afrokolumbianer hat sie trotzdem als freundliche, lebhafte Menschen kennengelernt; Musik bis drei Uhr nachts gehört zum Lebensgefühl - in Pfisters Viertel glücklicherweise nur am Wochenende. Der Kontakt bleibe jedoch oberflächlich: "Freundschaften zu finden ist aufgrund der kulturellen Verschiedenheit schwer." Die Kollegen in der Diözese? "Wir haben ein freundliches, offenes Verhältnis. Die Schwierigkeit ist das Tempo: vieles läuft langsam und unorganisiert." So fällt es ihr oft schwer, sich in Geduld zu üben.Ebenso gewöhnungsbedürftig ist das tropisch-schwüle Klima in einer der regenreichsten Regionen der Welt. Werden Lebensmittel nicht hermetisch verstaut, fallen Legionen von Ameisen darüber her; auch Schimmel und Mäuse sind ein Problem, und Schlangen aus dem Garten verirren sich schon mal in die Küche. Andererseits ist es gerade die Natur, die sie begeistert. Wo sonst hat man den Regenwald vor der Haustür?
Dieser Artikel ist erschienen am 19.03.2010

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