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Frauen in operativen Führungsrollen auf dem Vormarsch
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Frauen in Vorständen

Operativ auf dem Vormarsch

Kerstin Dämon, wiwo.de
Das Ergebnis der Frauenquote: Immerhin 20 weibliche Vorstände in den Dax-Konzernen. Ist das letztlich alles nur Show? Ganz klar: nein. Entgegen dem Klischee sind Frauen nämlich für operative Bereiche und nicht das Personalressort zuständig.
Was haben sie geflucht, die großen Konzerne, als die Diskussion um die Frauenquote aufkam. Wie solle man denn eine Frau ins Management berufen, wenn Frauen schon in der Belegschaft Seltenheitswert haben? So ähnlich schrieb zumindest Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht vor rund zwei Jahren in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Das geplante Gesetz zur Frauenquote in Aufsichtsräten müsse überarbeitet werden.

"Es wäre kein Dienst an der Mitbestimmung, wenn aufgrund der pauschalen 30-Prozent-Quote Frauen in den Aufsichtsrat einziehen würden, die diesen Rückhalt in der Belegschaft nicht haben", so Brecht. Der Frauenanteil an der Belegschaft betrug bei Daimler damals 20 Prozent.

Auch bei K+S lag der Frauenanteil bei neun Prozent – in den Führungspositionen lag er dafür bei beachtlichen 11,5 Prozent. Aber auch hier: 30 Prozent sollten es sein. "Woher sollen die kommen, Frau Schwesig?", fragten viele die Familienministerin.

Führungsfrauen nur Dekoration?

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten vor dem Stichtag am 1. Januar 2016 nachgefragt, wie sich die Dax-Konzerne auf die Frauenquote vorbereiten, welche Hindernisse sie sehen und so weiter und so fort. Dabei stellten sie fest: Wo Frauen Führungspositionen bekleiden, sind sie eher Frühstücksdirektorin als CFO.

Sie seien zuständig für die kommunikativen und kreativen Bereiche wie Human Resources, PR und Kommunikation.

"In diesen Bereichen – die einem tradierten Rollenbild entsprechen – können angeblich weibliche Stärken besser genutzt werden", hieß es in der Studie. Der Fachmann spricht hier auch vom "Pink Ghetto".

"Pink Ghetto" hat ausgedient

Trotzdem kam die Frauenquote und mit ihr zogen die Frauen in die Vorstände und Aufsichtsräte der Konzerne ein – wenn auch zunächst schleppend. Und zumindest die Befürchtungen, die die KPMG-Studie zunächst weckte, scheinen unbegründet zu sein: Die größte Gruppe der Vorstandsfrauen leitet operative Geschäftsbereiche – und nicht das Personalressort. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Beratung Korn Ferry.