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Es scheint, dass mit Führungsfrauen auch das generelle Lohnniveau steigt und die Sozialleistungen verbessert werden.
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Frauenquote

Mit Frauen an der Spitze steigt das Lohnniveau

Teil 2: Frauenanteil in Vorständen ist zwar gestiegen, von Gleichberechtigung kann jedoch keine Rede sein

Mehr noch: In der Kununu-Untersuchung kommen die börsennotierten Unternehmen mit vielen Frauen in den Spitzenführungspositionen auf die gleiche Bewertungsnote in Sachen Gleichberechtigung wie die Unternehmen, die an der Spitze ohne Frauen auskommen – im Schnitt beurteilen die Mitarbeiter die Chancengleichheit von Männern und Frauen mit 3,74 von fünf möglichen Höchstpunkten. Allerdings zeigt sich bei Arbeitgebern mit Frauen im Vorstand eine andere Auffälligkeit: Hier werden die Kategorien Umwelt- und Sozialbewusstsein, Gehalt und Sozialleistungen sowie Image deutlich positiver bewertet als bei Unternehmen, die keine Frauen in den Top-Entscheidungspositionen haben.

Frauen in Führungspositionen setzen stärker auf Kunden- und Mitarbeiterbindung

Es scheint also, dass mit den Führungsfrauen auch das generelle Lohnniveau steigt und die Sozialleistungen verbessert werden. Möglicherweise ist den Führungsfrauen auch das Thema Umweltschutz wichtiger – und das Image der Unternehmen verbessert sich ebenfalls.

Tatsächlich zeigen auch andere empirische Befunde, dass Frauen als Chefinnen stärker auf Kunden- und Mitarbeiterbindung setzen. Sie fördern stärker als männliche Chefs die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und setzen sich etwa für die Schaffung von Betriebskindergärten ein. In von Frauen geführten Unternehmen bekommen Mitarbeiter weniger oft einen Dienstwagen, aber dafür viel mehr Weiterbildungen oder Programme zur Gesundheitsförderung.

Laut Women-on-Board-Index 2016 liegt der kumulierte Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen derzeit bei 16,2 Prozent (Aufsichtsräte 25,9 Prozent, Vorstände 6,4 Prozent). Damit hat er sich seit 2011 verdoppelt, von Gleichberechtigung kann aber noch keine Rede sein. Und immerhin 11,3 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Deutschland waren im Jahr 2016 an der Unternehmensspitze komplett frauenfrei.

Die Kununu-Auswertung liefert insofern eine wichtige Ergänzung. Allerdings ist die Untersuchung trotz der Menge der Daten nicht repräsentativ, schließlich könnte es sein, dass nur diejenigen ihren Arbeitgeber bewertet haben, die besonders zufrieden oder besonders unzufrieden sind.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.11.2016