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Frauen führen eher die kleinen Unternehmen
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Gleichberechtigung in Führungspositionen

Frauen führen die kleinen Unternehmen

Kerstin Dämon, wiwo.de, dpa
Angestellte, Teamleiterin, Filialchefin oder Abteilungsleiterin – das werden Frauen völlig problemlos. CEO, Kanzleichefin oder Geschäftsführerin eher nicht. Nur ein Viertel der Chefpositionen ist von Frauen besetzt.
Bis alle Menschen auf der Welt gleichberechtigt sind, dauert es mindestens noch 100 Jahre, hieß es kürzlich in einem Bericht des Weltwirtschaftsforums. Erst dann könnten Mädchen in Bangladesh genauso zur Schule gehen, wie Jungen in Kanada. Und auch erst dann hätten alle theoretisch die gleichen Chancen bei der medizinischen Versorgung und der Berufswahl. Deutschland lag im "Global Gender Gap Report" was die Geschlechtergerechtigkeit angeht, auf Rang 12. Mädchen und Jungen genießen die gleiche Bildung, die gleiche medizinische Versorgung und werden gleichermaßen ernährt. Kein Kind muss arbeiten – weder Mädchen noch Jungen. Fast 78 Prozent der Geschlechterkluft sind demnach hierzulande geschlossen.

Unterschiede gebe es erst später, etwa bei Lohnunterschieden zwischen Mann und Frau und bei der Besetzung von Führungspositionen. Wie es um letzteres bestellt ist, hat sich nun das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung genauer angesehen. Demnach sind nur 26 Prozent der obersten Führungskräfte in der Privatwirtschaft Frauen. Und das, obwohl 44 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland weiblich sind.

Unternehmensgröße ist ein entscheidender Faktor

Zum Vergleich: Auf der zweiten Führungsebene lag der Frauenanteil bei 40 Prozent. Und zumindest im mittleren Management nimmt die Zahl der Frauen zu. Um sieben Prozentpunkte seit 2004. Dagegen ist die Zahl der Chefinnen im gleichen Zeitraum nur um vier Prozentpunkte gestiegen. "Betriebe engagieren sich zwar zunehmend im Bereich personalpolitischer Maßnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Die gezielte Förderung von Frauen, insbesondere zur Vorbereitung auf Führungsaufgaben, ist aber nach wie vor selten zu finden", so die IAB-Studie.

In Ostdeutschland ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft höher als in Westdeutschland. Auf der ersten und zweiten Ebene liegt er bei 30 beziehungsweise 47 Prozent, im Westen bei 25 beziehungsweise 39 Prozent.

Auch die Größe des Unternehmens entscheidet offenbar, ob es Frauen an die Spitze schaffen oder nicht. In Großbetrieben mit mindestens 500 Beschäftigten sind 13 Prozent der Führungspositionen auf der ersten Ebene mit Frauen besetzt. In Betrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten sind es 24 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten 28 Prozent.

Chefinnen sind – wenig verwunderlich – am häufigsten in den Branchen zu finden, die ohnehin einen hohen Frauenanteil haben. Also in Dienstleistungsbereichen wie Gesundheit, Erziehung und Unterricht. Aber auch hier bleibt ihr Anteil hinter dem Beschäftigtenanteil von Frauen in der Branche zurück. Heißt: Frauen arbeiten im Kindergarten, Männer leiten ihn.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.11.2017