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Expat-Frauen: Herausforderungen in der Fremde
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Expat-Frauen

Frauen in der Ferne

Teil 5: Zwischen Orient und Okzident

Marita Mitschein in den Arabischen Emiraten


Marita Mitschein kennt die Welt. Die Softwareentwicklerin war in der Türkei Finanzchefin einer Fluglinie, leitete zehn Jahre ein Softwarehaus in den USA und war danach als Personalberaterin und Projektmanagerin in Deutschland und China unterwegs. Seit 2010 arbeitet die Kölnerin in Dubai. Für SAP verantwortet sie neue Wachstumsbereiche im gesamten Nahen Osten und Nordafrika. "Meine beiden Töchter sind aus dem Haus. Eine ideale Lebensphase, um im Ausland beruflich noch mal durchzustarten", findet die 58-Jährige.

Magische Gegensätze

An Dubai fasziniert Marita Mitschein die kontrastreiche Mischung aus Orient und Okzident. "Hier treffen Vergangenheit und Zukunft aufeinander: Kamele neben unbemannten Zügen, iPads in Beduinenzelten. All diese Gegensätze befinden sich auf magische Weise im Einklang."

Besonders imponiert Mitschein die arabische Gastfreundschaft. Vertrauen ist alles in der Wüste, um zu überleben. Geschäfte würden deshalb traditionell lieber mit Bekannten oder gar Freunden gemacht als mit schwer einzuschätzenden Fremden.

Kulturelle Regeln

Als Frau lebt es sich sehr sicher in Dubai, dennoch ist Mitschein in der Managerwelt eine Exotin – noch. Viele junge Araberinnen aber haben im Westen studiert und sind sehr ehrgeizig. "Die mit Abstand besten Noten in den SAP-Berater-Prüfungen haben die saudischen Frauen", betont sie.

Marita Mitschein akzeptiert die Regeln der arabischen Kultur, auch wenn diese dem westlichen Meinungsbild widersprechen. "Schließlich bin ich Gast hier." Dabei gilt auch, ein korrektes Erscheinungsbild zu wahren. Westliche Frauen sollten Schultern und Knie bedeckt haben und Männern zur Begrüßung nicht von sich aus die Hand anbieten. Ein Nicken tue es auch.

Aufbruchstimmung

In Saudi-Arabien etwa gibt es getrennte Büros für Männer und Frauen. Wenn Mitschein dort beruflich unterwegs ist, trägt sie die Abaya, ein bodenlanges schwarzes Kleid, und einen Schal als Kopfbedeckung. "Damit habe ich kein Problem als emanzipierte Frau. Ich fühle mich in der arabischen Welt dennoch als Geschäftsfrau respektiert", betont Mitschein.

Auch das Alter ist durchweg positiv besetzt – mit Weisheit und Erfahrung. "In den arabischen Ländern herrscht kein Jugendwahn." Mitschein schätzt es sehr, dass man mit Mitte 50 im Beruf nicht zum alten Eisen zählt.

"Ich kann nur jede westliche Managerin ermutigen, den Schritt ins arabische Ausland zu wagen. Hier herrscht überall Aufbruchstimmung", schwärmt sie. Die Begeisterung hat auch eine ihrer Töchter angesteckt: Sie denkt darüber nach, sich ebenfalls in Dubai beruflich niederzulassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.02.2015

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