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Expat-Frauen: Herausforderungen in der Fremde
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Expat-Frauen

Frauen in der Ferne

Teil 4: Modell globale Familie

Rita Dicke in China


Rita Dicke war schon immer ein großer Asien-Fan. Oft hatte sie mit ihrer Familie Freunde in China besucht und gedacht: "Hier würde ich gerne mal leben und arbeiten." Vor zwei Jahren bekam die promovierte Chemikerin die Chance, für ihren Arbeitgeber Lanxess nach Schanghai zu gehen. "Für mich war der Posten zudem eine tolle Chance, ins operative Geschäft einzusteigen." Heute leitet die 53-Jährige das Asien-Pazifik-Geschäft für Wasserreinigungs- und Aufbereitungstechnologie von Lanxess. Sie ist eine von 140 Expats, die für den Spezialchemiekonzern in 18 verschiedenen Ländern arbeiten.

Als ihre Versetzung anstand, machte die älteste Tochter gerade Abitur. "Mein Chef hat mich immer sehr unterstützt und war einverstanden, dass ich den Job einige Monate von Deutschland aus betreute", erzählt Dicke.

Familie auf zwei Kontinenten

Ihr Mann arbeitet bei Bayer in leitender Position. Dass er seinen Job aufgibt, kam für die Familie nicht infrage. "Schließlich brauchte meine älteste Tochter, die gerade ihr Studium in Deutschland begonnen hatte, auch eine elterliche Anlaufstelle."

So siedelte Dicke im August 2013 mit ihrer jüngsten Tochter nach Schanghai über. Die 17-Jährige ist ebenfalls von China fasziniert. Rita Dicke muss viel reisen – ihr Verantwortungsbereich reicht von Indien bis Japan und von Südchina bis Neuseeland. Das ist eine gewisse Herausforderung, weil die Tochter dann allein in China bleibt. Sie übernachtet dann bei Freunden.

Reisen quer durch Asien

Durch ihre Reisen quer durch Asien ist Rita Dicke für die kulturellen Eigenheiten im Geschäftsleben sensibilisiert. "In China sind Frauen in Führungspositionen keine Seltenheit. Es ist üblich, dass Mütter Vollzeit arbeiten." In Japan dagegen ist Rita Dicke als Managerin eine Exotin. Denn selbst hochqualifizierte Mütter bleiben meist zu Hause.

Dicke hat gelernt, wie wichtig es in Asien ist, Vertrauen zu Geschäftspartnern und Kollegen aufzubauen. "In China sind Situationen, die als Gesichtsverlust gelten, tunlichst zu vermeiden. Probleme in einem Meeting, sachlich, aber direkt anzusprechen, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, ist kontraproduktiv." Schwierigkeiten spricht die Deutsche nur unter vier Augen in einem separaten Raum an.

Dienstreisen zur Kölner Zentrale kann die Managerin mit Heimreisen kombinieren. "Ostern haben wir uns als Familie in der Mitte getroffen und gemeinsam Urlaub auf den Malediven verbracht." Da konnte Rita Dicke durchatmen, denn die Luftverschmutzung in China ist schlimmer als gedacht. Das Extrempendeln klappt überraschend gut, findet Dicke, auch wenn Außenstehende zuweilen den Kopf schütteln. "WhatsApp hält uns am Leben", scherzt sie über den Kurznachrichtendienst. Und am Wochenende trifft sich die Familie zu ausführlichen Videokonferenzen. "Wir sind eben eine globale Familie."

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