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Expat-Frauen: Herausforderungen in der Fremde
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Expat-Frauen

Frauen in der Ferne

Teil 2: Liebesgrüße aus Moskau

Vera Hahn in Russland


"Frauen sind die Stärke der russischen Nation", davon ist Managerin Vera Hahn aus Moskau überzeugt. Frauen in Führungspositionen sind seit sozialistischen Zeiten Normalität. "Das macht es auch für ausländische Managerinnen einfacher", erzählt die gebürtige Österreicherin. Seit 2011 ist sie Geschäftsführerin von Bayer und Bayer Material Science in Russland. Dennoch gibt es auch in ihrem Arbeitsalltag kulturelle Besonderheiten: So sind Hahn zufolge Russen strikte Arbeitsanweisungen gewohnt und verlangen auch danach. "Anfangs habe ich die Aufgaben wie immer höflich verteilt, doch das wurde nicht als konkreter Arbeitsauftrag verstanden. Jetzt gebe ich rigoros Anweisungen: ,Das ist bis Freitag fertig auf meinem Tisch.'" Entweder ist man der Hammer oder der Amboss, heißt es in Russland.

Mitarbeiter seien nicht gewohnt, mit dem Chef zu diskutieren. "Deshalb stimme ich mich unter vier Augen vorher ab, damit niemand in großer Runde sein Gesicht verliert", erzählt die 47-Jährige.

Vorteile für Frauen

Viele Russen demonstrierten im Beruf Ernsthaftigkeit, indem sie unterkühlt aufträten. Doch hinter dem Pokerface seien Russen sehr herzlich und emotional, so die Erfahrung von Hahn. Bei der Begrüßung gibt es allerdings kulturelle Unterschiede: Männer küssen und umarmen sich, Frauen gegenüber ist man sehr zurückhaltend und schüttelt ihnen noch nicht einmal die Hand. "Russland ist eben die Brücke zwischen Europa und Asien", sagt Hahn.

Frauen hätten im russischen Geschäftsleben sogar Vorteile: Anders als Männer müssten Managerinnen nicht trinkfest sein. Es sei aber wichtig, das Glas für einen Toast zu erheben. 

Anderer Dresscode


Eine weitere Besonderheit: Die russische Frau betont stark ihre Weiblichkeit – gerade auch im Job. Extrem hohe Schuhe, lackierte Fingernägel und ein perfektes Make-up gehören dazu. "Auch meine Absätze sind heute höher als in Deutschland", gibt Hahn augenzwinkernd zu. In der Moskauer Bayer-Niederlassung hat die Managerin allerdings einen Dresscode eingeführt: "Die Röcke vieler Mitarbeiterinnen waren doch etwas zu kurz und die Ausschnitte zu tief. Wir haben viele internationale Besucher hier in Moskau, die waren irritiert."

Vera Hahn lebt mit ihren beiden Kindern im Grundschulalter in Moskau: "Hier ist unser Familienmittelpunkt." Ihr Mann, der in Bielefeld in leitender Funktion tätig ist, pendelt alle zwei Wochen nach Russland. Beide wechseln sich ab, wer Vorrang bei der Karriere hat. Hahn: "Wir wussten, die Fernbeziehung wird kein Spaziergang, aber das schweißt die Familie zusammen. Die Erfahrung in Russland möchten wir nicht missen."

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