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Frauen gründen anders
Gründerinnen werden mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Dagegen hilft nur: das richtige Selbstbewusstsein!Foto: Kzenon/Fotolia.com
Interview mit Unternehmerin

Frauen gründen nicht ohne Vorurteile

Teil 2: Mehr Selbstbewusstsein für Gründerinnen

Wie erklären Sie sich diese Vorbehalte?

Ich denke, dass es daran liegt, dass die meisten Gründungen von Frauen auch eher aus sehr weiblichen Bereichen kamen und mehr den Anschein hatten, dass sie die Interessenswelt der Frauen mit einer Gründung verbinden. Und wenn das dann nicht der Fall ist, sondern ein bisschen davon abweicht, dann ist das wohl immer noch sehr neu. Ich habe tatsächlich nur eine Kommilitonin, die ebenfalls gegründet hat, die aber ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Da ist es so, dass das gesamte Gründungsteam weiblich ist und das Thema ist kochen, das wird schon ganz anders aufgefasst. Da heißt es dann, das passt zusammen. Bei uns ist sind die Themen Retail-Business, Commerce, Datenverarbeitung. Das geht in eine Richtung, in der sich eher weniger Frauen tummeln.

Gibt es zu wenig weibliche Gründer, so dass schlicht die Werbung für Gründerinnen fehlt?

Ich schätze, dass es den Frauen oft an Selbstsicherheit fehlt. Ich sehe das bei sehr vielen Männern, also gründenden Kommilitonen, mit was für einem Selbstbewusstsein die auftreten. Mit was für einem Selbstverständnis die auch Zahlen in einem Business-Plan rechtfertigen, wo man drei mal hinterfragen muss, ob die wirklich eintreten. Frauen sind da viel vorsichtiger.

Das erste Mal habe ich das unterschwellig bei meinen Kommilitoninnen gemerkt. Wie gesagt, unsere Uni ist wahnsinnig gründungsaffin, aber es gründen hauptsächlich meine Kommilitonen. In einem Gespräch mit guten Freundinnen aus dem Studium zeigte sich, dass es die Überlegung gibt: Wenn man jetzt in einen Konzern geht, kann man sich da in drei bis vier Jahren eine gewisse Position erarbeiten und hat dann auch kein Problem, wenn man dann mit der Familienplanung anfängt.
 
Und das können Sie nicht verstehen...

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, wo die große Angst meiner Kommilitoninnen herkommt. Dass sie eben doch lieber in den Konzern gehen, anstatt selber zu gründen, obwohl sie gute Ideen haben. Sie haben exakt die gleichen Qualifikationen wie ich und ich habe keine Angst gehabt. Selbst wenn das Unternehmen scheitert, werde ich es irgendwie anders hinbekommen mit dem, was ich kann.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 16.07.2014

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