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Frauen gründen anders
Gründerinnen werden mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Dagegen hilft nur: das richtige Selbstbewusstsein!Foto: Kzenon/Fotolia.com
Interview mit Unternehmerin

Frauen gründen nicht ohne Vorurteile

Kerstin Dämon, wiwo.de
Wenn Frauen ein Unternehmen gründen, das nichts mit Mode, Kochen oder Schönheit zu tun hat, stoßen sie auf Vorurteile. Gründerin Freya Oehle über Wahrnehmung und Selbstbewusstsein von Jungunternehmerinnen.
Sie haben mit 23 Jahren das Unternehmen Spottster gegründet, eine Art digitaler Merkzettel für Produkte von Onlinehändlern, die man im Auge behalten möchte. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich hab an einer Uni studiert, die relativ gründungsaffin ist und hatte immer mit dem Gedanken gespielt. Aber ich habe immer gesagt, ich mache nichts, wo ich nicht hundert Prozent hinter der Idee stehe, weil ich nicht gründe um des Gründens willen. Ich war dann eigentlich schon auf dem besten Weg, den typischen Weg in der BWL zu gehen. Also in Richtung Bank oder Beratung. Im Auslandssemester habe ich dann in einer Vorlesung von einer ähnlichen Idee im Modebereich gehört, die aber sehr schlecht gelöst war. Das war vom Grundsatz her eine super Idee, es war nur auf den falschen Sektor limitiert und technisch schlecht umgesetzt. Und dann habe ich mir gedacht: Das kann man besser machen.

Gegründet haben Sie das Unternehmen aber nicht alleine. Wie konnten Sie Ihren Mitgründer von der Idee begeistern?

Ich hab mit Tobias Kempkensteffen zusammen Abitur gemacht und wir kennen uns schon relativ lange. Tobias war schon immer Programmierer, hat schon früher Webentwicklungen auch auf kleiner Basis gemacht, hat sich dann während der Schulzeit als Entwickler selbstständig gemacht und dann angefangen Informatik zu studieren. Deswegen hab ich ihn damals auch aus Chicago raus kontaktiert und ihn gefragt, ob die Umsetzung meiner Idee technisch aufwendig ist und was man dafür braucht. Dann hat er sich das Ganze angeschaut und fand es technisch sehr reizvoll und so sind wir da zusammen gekommen.

Woher kam das Startkapital für Ihre Gründung?

Wir hatten einen Business-Angel, der uns das erste Jahr unterstützt hat und den Markteinstieg und die Vergrößerung des Teams von zwei auf sieben begleitet hat. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir den Markteinstieg einigermaßen geschafft haben und jetzt eben größer werden müssen. Das heißt, jetzt geht die Investorensuche wieder los.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit potentiellen Investoren?

Es ist schon vorgekommen, dass es hieß "in zehn Jahren wird sie ausgelaugt sein". Das habe ich bei einem männlichen Gründer noch nie erlebt. Im Gegenteil: Da ist es eher positiv. Der gründet ein Unternehmen und bringt sich selber voran. Das ging bei mir eher in die andere Richtung, was ich erstaunlich fand.

Reagiert die Umwelt auf weibliche Gründer anders als auf männliche?

Im Zuge der Gründung kam vor allem von Journalisten die Frage: "Und warum wollen Sie keine Kinder?" Das ist des Häufigeren vorgekommen. Da ist bei mir schon der Eindruck entstanden, dass das ausgeschlossen wird: Wenn man sich selbstständig macht, kann man Familie abhaken. Ich war auf diese Fragen nicht vorbereitet, weil das für mich überhaupt nichts mit der Gründung zu tun hat.

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