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Unternehmensführung

Frauen an der Macht

Tanja Kewes, Claudia Obmann
Frauen wie die Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn, die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller oder Henkel-Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah haben in ihrem Unternehmen das Sagen. Schon jedes vierte Unternehmen in Familienbesitz wird von einer Frau geleitet – und das soll erst der Anfang sein.
Frauen auf der KarriereleiterFoto: © microimages - Fotolia.com
Alle drei bestimmen heute den Kurs von Konzernen mit Milliardenumsätzen und Tausenden von Mitarbeitern, weil ein männlicher Verwandter oder ein Gremium es ihnen einst zugetraut hat. Mohn, Leibinger-Kammüller und Bagel-Trah sind zwar Aushängeschilder, aber keine Ausnahmen mehr. Inzwischen steht an der Spitze jedes vierten Familienunternehmens eine Frau, die entweder allein die Geschicke lenkt oder mitentscheidet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Intes Akademie für Familienunternehmen unter 253 Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.Vor allem Unternehmen mit 25 bis 250 Millionen Euro Jahresumsatz, die zahlenmäßig das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, sind demnach auch in Sachen Frauen vorbildlich. Hier hat schon jedes 16. Unternehmen, das aktiv von einer Eigentümerfamilie gesteuert wird, einen weiblichen Chef. Und dort, wo es eine Frau an die Spitze geschafft hat, liegt der Frauenanteil auch auf den niedrigeren Rängen mit 29 Prozent überdurchschnittlich hoch.

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"In Familienunternehmen hat sich ein Mentalitätswechsel vollzogen. Die Patriarchen schauen heute weniger auf das Geschlecht, als vielmehr auf die Leistung ihres Nachwuchses", sagt Klaus Schweinsberg, Partner der Intes-Beratung."Töchter und Enkelinnen sind deshalb heute weder direkt ausgeschlossen noch müssen sie überperformen. Sie müssen einfach nur besser sein als der Bruder, der Cousin oder externe Kandidaten." Frauen hätten als Familienmitglied zudem häufig das, was ihnen in Publikumsgesellschaften fehlt und zum Nachteil wird: Sichtbarkeit und Netzwerke."Ich halte eine gezielte Frauenförderung für enorm wichtig, um in einem ersten Schritt den Anteil weiblicher Mitarbeiter in einem Unternehmen zu erhöhen. Und definitiv wird eine familienfreundliche Personalpolitik zukünftig für Arbeitgeber noch wichtiger werden, aufgrund des demografischen Wandels", sagt Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VDU).Frauen ziehen Frauen nachMit zunehmender Unternehmensgröße nimmt aber auch bei den Familienunternehmen die Zahl der Frauen in der Leitung ab. Bei Familienfirmen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern sind Frauen in der Geschäftsführung oder im Vorstand genauso selten wie in den Dax-30Unternehmen. "Einige Dynastien wie Merck und Haniel schließen per Verfassung aus, dass Familienmitglieder im Management operativ tätig werden", nennt Klaus Schweinsberg als Grund.

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