Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Selbstständigkeit

Franchise: Vorteile für Gründer

Til Knipper
Die Franchisesysteme wachsen in der Krise kontinuierlich und bieten Akademikern den vereinfachten Schritt in die Selbstständigkeit. Dabei kommt es vor allen Dingen auf kaufmännischen Verstand und eine hohe Dienstleistungsbereitschaft an.
Der Vertrag kann viele Fallen beinhaltenFoto: © Shariff Che'Lah - Fotolia.com
Zwölf Stunden hat Elisabeth Mertes gestern wieder am Ofen gestanden und Pizzen gebacken. Die 25-jährige Studentin der Theaterwissenschaften hat sich 2006 in Gießen parallel zu ihrem Studium als Franchisenehmerin von Joey's Pizzaservice selbstständig gemacht. Sie hat sechs fest angestellte Mitarbeiter und einen Azubi und erwirtschaftet mit Pizza, Pasta und Salaten einen Jahresnettoumsatz von 600000 Euro. Nächstes Jahr will sie ihr Studium beenden und spielt bereits mit dem Gedanken, dann einen zweiten Joey's-Laden zu eröffnen.Mertes ist eine von über 100000 Franchisenehmern in Deutschland. Diese Form der Selbstständigkeit wird immer populärer. Zu den bekanntesten Franchisenehmern gehört Henry Maske, der im Rheinland mehrere McDonald's-Restaurants betreibt. Die Branche wächst seit Jahren und erweist sich selbst 2009 als äußerst krisenresistent. Nach Prognosen des Instituts für Markenfranchise steigt der Umsatz der Branche dieses Jahr um 7,6 Prozent auf 67,2 Milliarden Euro. Franchise wird auch für Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger immer attraktiver. Zumal die Prognosen auf dem Arbeitsmarkt auch für 2010 eher düster sind.

Die besten Jobs von allen

Kein Unternehmer zweiter KlasseAuch wenn Franchise hierzulande oft als Unternehmertum zweiter Klasse belächelt wird, bietet es Existenzgründern Vorteile. Gegen die Zahlung einer einmaligen Lizenzgebühr am Anfang und einer prozentualen Umsatzbeteiligung an den Franchisegeber, kann der Gründer dessen erprobtes Geschäftsmodell und eine bekannte Marke übernehmen. In der Regel sind die Investitionskosten überschaubar und Banken finanzieren lieber Franchisenehmer, weil die Ausfallrisiken geringer sind als bei anderen Gründern. "Deswegen ist es auch gerade für Absolventen sinnvoll, sich mit einem guten System selbstständig zu machen, weil man auf ein bewährtes Konzept zurückgreift und nicht alles selbst erfinden muss", sagt Felix Peckert, der sich mit seiner Unternehmensberatung auf Franchise spezialisiert hat.Schlechte Aussichten für Geisteswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt waren auch für Elisabeth Mertes die Hauptmotivation, ihr Heil in der Selbstständigkeit zu suchen. "Mein Lebensgefährte hat sich für eine akademische Laufbahn entschieden, da musste ich ja etwas Handfestes machen", sagt die pragmatische Mertes. Das System von Joey's kannte sie bereits, weil sie zu Beginn ihres Studiums in Bayreuth bei der dortigen Filiale gearbeitet hatte. "Meine damalige Chefin hat mir sehr viel erklärt", erinnert sich Mertes. So lernte sie neben dem Pizzabacken und der Bestellannahme auch BDA-Konten zu führen, die Lieferzeiten auszuwerten und rechtzeitig neue Ware zu bestellen.Nicht überall funktioniert jedes Franchisekonzept2006 entschloss sie sich dann, einen eigenen Joey's-Laden aufzumachen. "Ich bin bewusst nach Gießen gegangen, weil ich wusste, dass das Konzept in kleineren Universitätsstädten besonders erfolgreich ist", sagt Mertes. Darüber hatte sie sich bei ihrer alten Chefin und in Gesprächen mit der Zentrale im Vorfeld informiert.Möglichst viele Informationen einzuholen über das ausgewählte Franchisesystem, ist die wichtigste Aufgabe für potenzielle Existenzgründer. "Viele sind zu blauäugig und denken, die Franchisegeber wollten nur ihr Bestes", sagt der Rechtsanwalt Christian Prasse, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Franchisenehmer Verbands (DFNV) ist. Prasse empfiehlt, den Franchisevertrag vor der Unterschrift von einem Anwalt prüfen zu lassen und die vom Franchisegeber in Aussicht gestellten Einkommensaussichten im Zweifel von einem Steuerberater nachrechnen zu lassen.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick