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Weiterbildung

Fortbildung im Ausland mit Stipendium

Claudia Obmann
Im Ausland arbeiten, interkulturelle Erfahrung sammeln und nebenbei die Sprache lernen: Junge Berufstätige können das auch ohne Arbeitgeber im Rücken mit organisierten Fortbildungsprogrammen verwirklichen - Finanzhilfen inbegriffen.
Sie wollen ins Ausland? Zeigen Sie Initiative!Foto: © M Rosley - Fotolia.com
"Be flexible, be chinese", schoss es Lars Langner durch den Kopf, als sein Termin im chinesischen Bosch-Werk mit dem Mann aus der Stuttgarter Zentrale wegen Zeitmangels zu platzen drohte. Schließlich hing von dem Gespräch seine berufliche Zukunft ab. Also kletterte Fernost-Praktikant Langner kurzerhand zu seinem künftigen Chef in den Dienstwagen. Auf ihrer Fahrt von Wuxi nach Shanghai überzeugte der junge Wirtschaftsingenieur aus Hamburg dann den deutschen Bosch-Manager davon, dass er der richtige Mann für den Projektleiterposten in Stuttgart für das China-Geschäft mit Lkw-Dieselmotoren sei. Ein Argument sprach besonders für den Bewerber: Langners Heinz-Nixdorf-Stipendium für Fortbildung in Fernost, das ihn auf den Praktikumsplatz in Wuxi geführt hatte.Das größte Fortbildungsförderprogramm einer privaten deutschen Stiftung sponsert alljährlich den Asien-Ausflug von knapp 50 handverlesenen jungen Berufstätigen - vorwiegend Absolventen kaufmännischer und technischer Fächer. Die deutschen Nachwuchsführungskräfte gehören keinem klassischen Expatriate-Programm einer Firma an. Ihr Auslandspraktikum organisieren sie auf eigene Faust. Damit bewerben sie sich dann bei der Gesellschaft für Internationale Weiterbildung und Entwicklung (Inwent) in Bonn, die unter den Kandidaten die Auswahl trifft. Ein halbes Jahr leben und arbeiten die Stipendiaten in Japan, Taiwan, Vietnam, Indonesien, Malaysia, Südkorea, China oder Indien. Und erleben hautnah, wie Wirtschaft und Menschen in anderen Ecken der Welt ticken.

Die besten Jobs von allen

Morgens klotzen, abends Karaoke "Als Feuerwehrmann in der Qualitätsoptimierung musste ich Fertigungsprozesse überprüfen, aber auch mal einen Karaoke-Abend für die Familien der Belegschaft organisieren", erzählt Lars Langner vom asiatischen Arbeitsalltag. "In China trennt man Privates und Berufliches nicht wie bei uns."Seinem praktischen Einsatz gingen jeweils zwei Monate Intensivsprachkurs in Deutschland und im Gastland voran. "Ein Sprachgenie bin ich nicht, aber als ich bei der Veranstaltung mit den Söhnen und Töchtern der Kollegen ein chinesisches Kinderlied sang, hatte ich die Lacher auf meiner Seite." Schon im Benimmkurs zu Hause hatte Langner gelernt, die Höflichkeitsrituale der Chinesen genau zu beachten, damit niemand sein Gesicht verliert.Karrierehilfe zum NulltarifAcht Monate China in Theorie und Praxis - eine solche Weiterbildungskombination springt Personalern sofort ins Auge. Entsprechend hoch ist die Erfolgsquote der Heinz- Nixdorf-Förderung. Rund 85 Prozent der Asien-Heimkehrer hatten innerhalb von drei Monaten eine neue Anstellung.Das Beste am Paderborner Programm: Reise, Unterkunft und das hochklassige Sprachtraining kosten Auserwählte wie Lars Langner keinen Cent. Stattdessen gibt es noch ein vergleichsweise fürstliches Taschengeld obendrauf: Das monatliche Stipendium beträgt für die Dauer des Auslandsaufenthalts mehr als 1.000 Euro - mit herzlichen Grüßen des ostwestfälischen Computerpioniers Heinz Nixdorf. Dem lag zu Lebzeiten die Qualifikation seiner Mitarbeiter am Herzen, und in dessen Sinn wird heute Nachwuchsförderung für den Standort Deutschland betrieben.Programme für jedermannOrganisiert und vergeben werden die Nixdorf-Stipendien von Inwent in Bonn. Mit ihren 34 Bildungs-, Austausch- und Stipendienprogrammen ist die Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Wirtschaft der größte deutsche Anbieter beruflicher Auslandsqualifizierung. Ob Unternehmenspraktikum oder Studentenaustausch - alle Programme dienen der Verbesserung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenz sowie der Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer.Pro Jahr schickt Inwent rund 7.000 junge Deutsche auf Weiterbildungsreisen in die Welt. Azubis, Studenten, junge Berufstätige und Nachwuchsmanager zwischen 18 und 35 Jahren können sich um die Förderung bewerben: vom Lehrer auf Austauschbesuch innerhalb Europas bis zum Projektteilnehmer, der Jugendliche in Afrika handwerklich schult. Finanzielle Unterstützung können aber auch junge Banker beantragen, die ein Praktikum in Spanien absolvieren, oder FH-Studenten, die ihr Praxissemester in Südamerika verbringen.Rund 15 Millionen Euro enthält der Inwent-Fördertopf 2006 für die Qualifizierung junger Deutscher. Noch. Denn die Mittel der Bundesregierung fließen in Zukunft wohl spärlicher.
Die gewährten Finanzspritzen fallen je nach Programm ohnehin sehr unterschiedlich aus. "Mal gibt es einige hundert Euro als Zubrot, mal werden die Sprachkurs-, Versicherungs- oder Reisekosten von Sponsoren wie der EU, dem deutschen Bundestag oder wirtschaftsnahen Stiftungen übernommen", sagt Martin Broicher. Broicher ist Leiter des Inwent-Bereichs Industrie- und Transformationsländer, derjenigen Abteilung, die junge Deutsche ins Ausland schickt. Der Asien-Crashkurs für Heinz- Nixdorf-Stipendiaten wie Lars Langner gilt als Weiterbildung de luxe innerhalb des traditionsreichen Inwent-Angebots.
Stipendiat Kai-Uwe RickeVor mehr als 20 Jahren reiste bereits Kai-Uwe Ricke, heute Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, zum Praktikum nach Japan, um sich fachlich weiterzubilden und die Sitten der Söhne Nippons kennen zu lernen. Rickes Trip organisierte damals noch die Carl Duisberg Gesellschaft, die 2002 mit der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung zur heutigen Inwent fusionierte. An den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert sich die Gesellschaft bis heute. "Wir fördern noch immer besonders die jungen Leute, die nach Asien gehen. Aber auch solche, die nach Osteuropa oder Lateinamerika wollen", sagt Broicher. Der Experte weiß, welches Auslands-Know-how von deutschen Unternehmen dringend benötigt wird.

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