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Weiterbildung

Fortbildung an der Uni: Master, Crashkurs, MBA

Dorothee Fricke
Hochschulen wetteifern um fortbildungswillige und zahlungskräftige Berufstätige. Über 100 haben bereits eigene Weiterbildungszentren eingerichtet. Was die Wissenschaftler den Privatanbietern voraushaben und wer von den neuen Programmen profitiert.
Ein Fortbildungs-Abstecher in die Uni fördert die KarriereFoto: © Thomas Aumann - Fotolia.com
Jan-Peter Schmelz ist hochzufrieden. Der Architekt, der bei Bayer Technology Services in Leverkusen in der Bauplanung arbeitet, hat das erste Semester des Teilzeitstudiengangs Facility Management an der FH Nürnberg hinter sich. Etwa einmal im Monat fährt der 38-Jährige für ein verlängertes Wochenende vom Rheinland nach Süddeutschland, um Gebäudetechnik, Betriebswirtschaft und Qualitätsmanagement zu pauken. In der restlichen Zeit ackert er im Alleingang und bearbeitet Studienbriefe. Für ihn eine ideale Kombination: "Ich bekomme praxisorientiertes Wissen auf akademischem Niveau, kann mich mit anderen austauschen und das Studium mit meinem Beruf vereinbaren." Die Gebühren von 6.500 Euro trägt er selbst, für die Präsenzphasen nimmt er den Bildungsurlaub aus mehreren Jahren.Schmelz, der sein Fachwissen erweitern wollte, nachdem die Anforderungen in seinem Beruf immer komplexer geworden waren, hat lange nach dem richtigen Angebot gesucht: "Der Fortbildungsdschungel ist kaum zu durchblicken." Das FH-Angebot eines berufsbegleitenden Master-Studiums kam ihm deshalb gerade recht: "Hochschulen sind für mich der erste Ansprechpartner in Sachen Bildung. Da kann ich schon ein gewisses Niveau erwarten", meint Schmelz. "Außerdem ist ein zusätzlicher akademischer Titel natürlich besser als ein Zertifikat von irgendeiner Akademie."

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Großes Potenzial Mit der Fachhochschule Nürnberg tat der Architekt einen goldenen Griff: Ihr Weiterbildungskonzept wurde jüngst beim Wettbewerb "Hochschulen im Weiterbildungsmarkt" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. 37 Unis und Fachhochschulen hatten ihre Konzepte für eine Best-Practice-Beurteilung eingereicht. Neben den Nürnbergern sahnten auch die FH Konstanz und die Uni Augsburg Preisgelder von insgesamt 175.000 Euro zum Ausbau ihrer Programme und eine Strategieberatung von McKinsey ab.Das Engagement des Wissenschaftsverbandes in der staatlichen Weiterbildung kommt nicht von ungefähr. "Universitäten und Fachhochschulen haben im Fortbildungsmarkt großes Potenzial", ist Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband überzeugt. Gerade im Zuge der Studienreformen und der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse gewinne die wissenschaftliche Weiterbildung eine immer größere Bedeutung. Das Prinzip, nach einem kurzen Studium zunächst in den Beruf einzusteigen und sich später gezielt weiter zu qualifizieren, sei das Modell der Zukunft.Tatsächlich setzen inzwischen immer mehr Hochschulen auf Angebote für Fach- und Führungskräfte. Der Hochschulkompass verzeichnet 2.064 weiterführende Studiengänge, über 100 Unis haben inzwischen eigene Weiterbildungszentren eingerichtet, die vom Master-Studiengang bis zum Crashkurs Fortbildungen jeglicher Couleur anbieten (siehe Tabelle S. 72).Liebling MBAZunehmend zum Aushängeschild der wissenschaftlichen Weiterbildung wird der MBA. Ob Unternehmensführung an der Uni Augsburg, Accounting and Corporate Finance an der FH Konstanz, Technologiemanagement an der RWTH Aachen, Deutsch-Chinesisches MBA-Programm an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin oder Health Care Management an der FH Osnabrück: Die jungen deutschen Managementstudiengänge setzen oft zielgenaue Schwerpunkte auf bestimmte Branchen und Fächer in der Hoffnung, die richtige lokale Nische in der hochkarätigen MBA-Welt zu besetzen.Fast alle hiesigen Programme können berufsbegleitend absolviert werden. Zudem sind die Kosten mit 5.000 bis etwa 30.000 Euro vergleichsweise moderat. Teilnehmern sollte jedoch klar sein: Der Trendtitel MBA bedeutet nicht automatisch, dass die Programme alle Ansprüche einer umfassenden General-Management-Ausbildung mit internationaler Ausrichtung erfüllen. Wer sich jedoch als Führungskraft gezielt spezialisieren will, kann durchaus gute Angebote finden.

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