Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Investment-Banker bleibt ein gefragter Job.
Foto: James Thew/Fotolia.com
Investmentbanking

Reiz am Job trotz starker Marktschwankungen

Miriam Bax
Seit der Finanzkrise hat das Berufsziel Investment-Banker an Attraktivität eingebüßt, dennoch ist der Reiz bei zahlreichen Wirtschaftswissenschaftlern ungebrochen. Ein Interview über Chancen und Anforderungen im Investmentbanking.
Die Einsatzgebiete im Investmentbanking sind vielfältig und reichen von Private Equity und Hedge-Fonds über Corporate-Finance-Boutiquen bis hin zu tangierenden Bereichen in anderen Unternehmen (Business Development, Finanzplanung oder Investor Relations).

Dass sich der Einstieg durchaus lohnt, belegt das Stellenangebot auf dem Arbeitsmarkt. Allein für Analysten ist die Anzahl an freien Stellen im vergangenen Jahr nach oben geklettert.

Im Interview gibt Tanja Apel-Mitchell, Director Continental Europe & Middle East bei eFinancialCareers Auskunft über den beruflichen Einstieg, Karrieremöglichkeiten und Chancen im Bereich des Investment Bankings.

Viele Investmentbanken melden für das erste Quartal 2015 positive Erträge. Bedeutet dies den Aufschwung und neue Karrieremöglichkeiten für Bewerber?
Tanja Apel-Mitchell, Director Continental Europe & Middle East bei eFinancialCareersTanja Apel-Mitchell, Director Continental Europe & Middle East bei eFinancialCareersFoto: PrivatTanja Apel-Mitchell: Im Investment Banking lässt sich aktuell ein positiver Trend erkennen. Big Player wie J.P. Morgan, Goldman Sachs und die Deutsche Bank (trotz angekündigter Schrumpfkur sowie hoher Strafsummen für Rechtsstreitigkeiten) melden positive Erträge für 2014. Auch 2015 verspricht für Finanzhäuser ein erfolgreiches Geschäftsjahr zu werden. Diese Prognose wirkt sich positiv auf das Recruiting der Banken aus. Die Nachfrage nach Nachwuchskräften steigt. Vor dem Hintergrund des Mitarbeitermangels im Junior-Bereich erwarten wir gerade für jüngere Bewerber gute Karrierechancen.

Im Vergleich mit anderen Banking-Sparten gehört das Investment Banking allerdings sicherlich zu denjenigen Geschäftsfeldern, die besonders stark von Marktschwankungen und externen Faktoren beeinflussbar sind. Als Beispiele seien hier Währungsschwankungen, Entwicklungen in Großbritannien oder Griechenland sowie geopolitische Entwicklungen genannt.

Gerade auf dem Analyst- bzw. dem Associate-Level scheint der Bedarf besonders groß. Wie kommt es hier zum Mitarbeitermangel? 

Die Datenlage ist hier in Deutschland nicht sehr eindeutig. Unsere Interpretation des Fachkräftemangels auf dem Analyst- und Associate Level einerseits haben Banken, bedingt durch die Auswirkungen der Finanzkrise, durch mangelnde Neueinstellungen in den vergangenen Jahren die Knappheit selbst verschärft. Recruiter bemängeln zudem, dass Banken in dieser Zeit nicht genügend Kandidaten ausgebildet haben. Im Hinblick auf die positive Geschäftsentwicklung werden nun die Auswirkungen der kurzfristigen Personalstrategie sichtbar.

Andererseits könnte dies auch ein Beispiel der vieldiskutierten Werteverschiebung innerhalb der neuen Generation, der sogenannten Millenials, sein: Bei diesen Mitarbeitern, die vor einigen Jahren in den Arbeitsmarkt eingestiegen sind, hat Work-Life-Balance einen höheren Stellenwert. Das Investment Banking steht hier – anders als noch vor fünf bis zehn Jahren, als Jobs im Investment Banking oder in der Strategieberatung als Top-Ziele galten – in Konkurrenz zu andern Berufsfeldern, die zum Beispiel attraktivere Arbeitszeiten bieten. Dafür werden dann gegebenenfalls auch geringere Gehälter, sowohl in der Finanzwirtschaft als auch in der Realwirtschaft, in Kauf genommen.


» Lesen Sie auch den Artikel:
 Gehalt Banking Finance     "Im Investmentbanking kann das Gehalt die Million überschreiten"


Ist dieser Fachkräftemangel nur bei den großen Investmentbanken zu beobachten?

Der Fachkräftemangel lässt sich aktuell im gesamten Investment Banking Markt beobachten. Betroffen sind sowohl die Top Elite der Banken, die sogenannten Bulge Brackets, als auch Boutiquen und Universalbanken. Im verschärften Wettbewerb um Juniors und Associates müssen vor allem die kleinen Akteure hart um ihren Nachwuchs kämpfen. Personalverantwortliche sehen sich zudem der Herausforderung gegenüber, dass auch voneinander abgeworben wird. 

Themen im Überblick