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Was meint Klaus Landfried?

"Fördert die Gründer!"

Klaus Landfried
Die Zahl der Firmengründungen geht seit Jahren zurück. Das bereitet Klaus Landfried Sorgen. Seine Forderung: Hochschulen müssen ihre Studenten die Selbstständigkeit lehren.
Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der HochschulrektorenkonferenzFoto: © PR
Training für Existenzgründer: Ist das eine Aufgabe der Hochschulen? JA, sage ich, weil wir viel mehr Selbstständige brauchen und vor allem solche, die wissen wie das erfolgreich geht. NEIN, sagen viele Professoren, die meinen, nur Fragen der Wissenschaft sollten die Hochschulen kümmern, Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Entwicklung sollten andere fördern. Gehen wir einen Augenblick auf Distanz zum "Elfenbeinturm". Wissen Sie, wo die hunderttausende neuer Arbeitsplätze herkamen, die in den letzten Jahren die deutsche Wirtschaft wieder wachsen ließen? Viele denken da an die großen Unternehmen in Stuttgart, München und anderswo.Vor zehn Jahren boomten die Neugründungen

Die besten Jobs von allen

Irrtum: Der überwiegende Teil der neuen Arbeitsplätze wurde von "Kleinen und Mittleren Unternehmen" (KMU) geschaffen. Alle Betriebe waren einmal kleine "Gründungen". Die Herren Halske und Siemens gründeten einst ein winziges Unternehmen, das heute global agiert. Und SAP war die Gründung von vier wagemutigen EDVlern, die einzige deutsche Neugründung mit Weltgeltung nach dem zweiten Weltkrieg. Noch vor zehn Jahren boomten die Gründungen. Heute aber lahmen sie, selbst in den Branchen, in denen unser Land seine Chancen auf den Weltmärkten hat: moderne Technologien aller Art, Produkte wie Dienstleistungen, angewandte Mathematik als jeweiliges Bindeglied.Freiheit oder Sicherheit?Fragt man junge Leute, so hört man unter anderem: Statt nach Freiheit, Selbstbestimmung und selbst verantwortetem Erfolg strebe man lieber nach Sicherheit in abhängiger Beschäftigung. Den meisten ist nicht klar, dass es nur eine SCHEIN-Sicherheit ist, auf die sie hoffen, da sie davon abhängt, dass die so oft diffamierten Gutverdiener, vor allem die Selbstständigen, ihren finanziellen Beitrag (in Form von Steuern) leisten. Wussten Sie, dass rund die Hälfte der Einkommensteuer von den zehn Prozent Bestverdienern kommt? Wir brauchen also wieder mehr Existenzgründungen! Eine erfolgreiche Gründung aber setzt den Willen zur eigenen Freiheit und zu Selbstverantwortung voraus, dazu unternehmerische Ziele. Genauso wichtig aber für den Erfolg einer Neugründung ist das Können: wie man ein Unternehmen gründet und es im Umgang mit Kreditgebern, Kunden, Mitarbeitern erfolgreich führt.Es ist wie beim Sport: ohne Training kein Erfolg. Und daher gehört das Angebot von Existenzgründer-Trainings auch an die Hochschulen. Am besten in Zusammenarbeit mit Kammern und Unternehmen. Und nicht unbedingt (nur) durch Professoren, sondern vor allem durch Menschen mit praktischer Erfahrung in und mit Unternehmen. Gute Vorbilder helfen dabei, die jungen Leute innerhalb und außerhalb der Hochschulen zu solchen Trainings zu ermutigen. Denn die nutzen selbst denen, die später doch als Angestellte arbeiten. Die Luft der Freiheit haben sie wenigstens beim Üben geatmet.Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Im Unruhestand betätigt sich der emeritierte Politikprofessor als Wissenschaftsberater und Headhunter.Weitere Kolumnen:"FH ist nicht zweitklassig"
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Dieser Artikel ist erschienen am 29.07.2008

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