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Notlösung für Flüchtlinge: Gründung?
Foto: Bernd Leitner / fotolia.com
Wege in den Arbeitsmarkt

Flüchtlinge als Gründer

Teil 2: Migranten gründen häufiger

Das bestätigt auch eine Sonderauswertung des Gründungsmonitors 2015 der Förderbank KfW. Demnach treffen Migranten überdurchschnittlich häufig die Entscheidung für eine Selbstständigkeit. Im Jahr 2014 haben sich 179.000 Migranten in Deutschland selbstständig gemacht. Rund jeder fünfte Gründer hat eine ausländische Staatsbürgerschaft oder die deutsche Staatsbürgerschaft erst nach der Geburt erworben, heißt es im Bericht der KfW. Das liegt allerdings nicht an einem Gründergen, sondern ist meist eher der Verzweiflung geschuldet: Migranten werden häufig zu Unternehmern, weil sie keine attraktivere Erwerbsalternative haben, wie der Bericht zeigt.
 
Lieber Kioskbetreiber als arbeitslos, scheint hier die Devise zu sein. Und diese Entscheidung zahlt sich häufig aus. "Migranten gehen ihre Gründungsprojekte offensiver an, selbst wenn die Gründung eine Entscheidung aufgrund fehlender Erwerbsalternativen war. Mit ihrer größeren Gründungsneigung und höherem Beschäftigungseffekt leisten Migranten somit einen wichtigen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Startschwierigkeiten sind größer

Und das, obwohl Migranten bei der Unternehmensgründung mehr Steine in den Weg gelegt werden: So hatten im Zeitraum 2009 bis 2014 deutschlandweit 16 Prozent aller Gründer beim Start Finanzierungsschwierigkeiten zu überwinden, bei Migranten waren es 24 Prozent. Migranten sind nach ihrem Start allerdings schneller bereit, ihr Unternehmen auch wieder aufzugeben: Drei Jahre nach Gründung bestehen 70 Prozent aller Start-ups noch, bei Migranten sind es nur 60 Prozent.

Die KfW erklärt sich das damit, dass Migranten jünger sind, wenn sie gründen, oft aus der Not heraus zum Unternehmer werden und häufig im Handel gründen. All das seien Indikatoren für das Scheitern einer Existenzgründung. Mit der Nationalität habe das aber nichts zu tun, so Zeuner. Junge Deutsche, die aus der Not heraus gründen, fallen genauso häufig auf die Nase.

Und: "Migranten beenden ihre Selbstständigkeit eher wieder, wenn sich attraktive Jobmöglichkeiten bieten." Insofern könnte die Selbstständigkeit eine Chance für Flüchtlinge sein, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Anstellung finden. Zur Not als Übergangslösung.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.02.2016

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