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Powernap im Büro
Foto: Volker Witt/Fotolia.com
Powernapping

Fit im Job – dank Mittagsschlaf

Jan Guldner
Im Büro ein Nickerchen halten? Diesen Produktivitätsturbo nutzen US-Unternehmen wie Google und AOL. Deutsche Arbeitgeber dagegen verschlafen den Trend.
Man nehme eine Rolle Toilettenpapier, wickle ein Sweatshirt darum, stütze die Ellenbogen auf die Knie, verschränke die Unterarme und platziere das Bündel darauf. Jetzt nur noch den Kopf aufs Kissen, Augen zu und dann: süße Träume. Wem das schon als Schlafposition unbequem vorkommt, der stelle sich als Übung eine enge Toilettenkabine irgendwo in den Büroetagen einer Großbank vor. Der sogenannte "Toiletnap" gehört dort nämlich für manchen müden Banker zum Alltag. 

Kurz und Knackig: das Leistungsnickerchen

Um während einer langen Schicht wenigstens für ein paar kurze Momente in Ruhe die Augen schließen zu können, sperren sie sich im Klo ein. In Internetforen kursieren Tipps, wie der Schlaf am stillen Örtchen verbessert werden kann und wie man wieder rechtzeitig wach wird. Von Weckern wird abgeraten, denn die könnten den Toiletnapper verraten. Ein geräuschloser Tipp: Dösen, bis die Beine einschlafen – dann würde man automatisch wach.

Der Kampf mit der Müdigkeit am Arbeitsplatz ist nicht nur für gestresste Banker Alltag. Das Leistungstief in den Mittagsstunden gehört zum Job wie Budgetpläne und Deadlines. Darunter leidet die Produktivität, Fehler passieren häufiger. Dabei wäre die Lösung so einfach: Ein kurzes Mittagsschläfchen, und die Gedanken werden wieder klar. Zahlreiche Studien von Schlafforschern der Universitäten Harvard und Oxford und der US-Weltraumbehörde NASA belegen die Wirkung des sogenannten Powernap. Das Gedächtnis wird besser, das Gehirn kreativer, die Konzentration fällt leichter.

Muntermacher: besondere Orte zum Dösen

Allein: Es macht kaum jemand. Der Schlaf bei der Arbeit, sagt Jarek Krajewski, Psychologieprofessor der Universität Wuppertal, habe in Deutschland ein Imageproblem. "Selten war etwas so klar belegt, wie die positive Wirkung eines Powernap", sagt er. "Und trotzdem sind Schlafmöglichkeiten in deutschen Firmen alles andere als weit verbreitet."

Selbst dort, wo es Gelegenheit zum Schlafen gibt, bleibt diese häufig ungenutzt. "Nie im Leben", sagt ein junger Analyst einer Investmentgesellschaft, würde er den von seiner Firma bereitgestellten Ruheraum nutzen. Wie sähe das denn aus? Wie ihm geht es auch anderen Büroarbeitern, die lieber heimlich in einer Toilettenkabine schlafen aus Angst, ihnen würde ein Nickerchen als Schwäche ausgelegt.

In den USA hingegen unterstützen große Unternehmen ihre Angestellten beim Powernap. Bei Google zum Beispiel können sich müde Mitarbeiter in sogenannte Energy Pods legen. Diese ergonomischen Liegen sind in der gesamten Firmenzentrale verteilt und erinnern eher an ein kleines Raumschiff als an einen Ort zum Dösen. Wer ein Nickerchen braucht, macht es sich dort bequem und kann dann eine Kuppel über Kopf und Oberkörper klappen, um die Außenwelt auszublenden. Von außen sichtbar sind nur noch die Beine. Ähnliche Liegen gibt es auch bei AOL und der "Huffington Post", in Krankenhäusern, Universitäten und auch bei professionellen Football- und Baseballklubs.

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