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Produktivität im Job

Firmen unterschätzen Depressionen

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Die Volkskrankheit Depression hat massive Auswirkungen auf die Produktivität. Arbeitgeber in den europäischen Ländern gehen sehr unterschiedlich mit dem Problem um. Vor allem fehlt es an Beratung. Experten fordern jetzt die EU-Kommission zum Handeln auf.

Foto: M. Siegmund/Fotolia.com

Zur Arbeit – trotz Depression

Rund jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa ist schon einmal aufgrund von Depressionen seinem Arbeitsplatz ferngeblieben. Durchschnittlich 36 Arbeitstage ist ein Depressionskranker in einer sogenannten Episode, also einer Phase verstärkter Symptome, nicht am Arbeitsplatz. Das geht aus einer neuen Umfrage der European Depression Association hervor, die im kommenden Jahr veröffentlicht werden wird.

In der IDEA-Umfrage (Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit) wurden über 7000 Menschen in Europa, einschließlich der Türkei, befragt. Ein Fünftel der Teilnehmer gab an, schon einmal die Diagnose Depression bekommen zu haben. Die höchste Rate verzeichnete Großbritannien (26 Prozent), die niedrigste Italien (zwölf Prozent).

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Arbeitnehmer in Deutschland (61 Prozent), Dänemark (60 Prozent) und Großbritannien (58 Prozent) blieben am ehesten aufgrund ihrer Depression dem Arbeitsplatz fern, während nur 25 Prozent der Arbeitnehmer in der Türkei berichteten, sich von der Arbeit freigenommen zu haben

Hilflose Führungskräfte

Depression ist die vorherrschende psychiatrische Störung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter. Experten gehen davon aus, dass mehr als 30 Millionen europäische Bürger zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an Depression leiden.

Trotz des Ausmaßes dieses Problems berichtet aber beinahe jede dritte Führungskraft, über keine offizielle Unterstützung oder Hilfsmittel für den Umgang mit depressionskranken Mitarbeitern zu verfügen. 43 Prozent von ihnen forderten verbesserte Richtlinien und Gesetze zum Schutz der Mitarbeiter.

EU-Kommission ist gefordert

Vincenzo Costigliola, Präsident der European Depression Association (EDA) fordert angesichts der Ergebnisse "Entscheidungsträger auf, die Auswirkungen von Depression am Arbeitsplatz zu prüfen". Die EDA fordert daher, eine verbindliche Gesetzgebung einzuleiten, die sich mit Depression und der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Mitarbeiter beschäftigt.

Stephen Hughes, Abgeordneter im Europäischen Parlament, fordert angesichts dieser Ergebnisse die Europäische Kommission zum Handeln auf. "Depression am Arbeitsplatz ist ein arbeitspolitisches und gesellschaftliches Problem, das schweren Schaden anrichtet und Aufmerksamkeit sowie Maßnahmen von der Europäischen Union erfordert. Die Einbeziehung der Depression am Arbeitsplatz in die neue Strategie der Europäischen Kommission für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, in den kommenden Jahren durch gesetzgeberische Maßnahmen gestützt, würde einen herausragenden Fortschritt darstellen, um Arbeitnehmer in Europa wirksamer zu schützen und letztendlich zu wirtschaftlichem und sozialem Wohlstand beizutragen."


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