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Job kommt vor Familie
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Stellenwert von Arbeit

Finanzielle Unabhängigkeit hat Macht

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Wie junge Frauen (und Männer) leben wollen, hat das Wissenschaftszentrum Berlin gefragt. Von Geschlechterunterschieden ist da kaum noch was übrig. Die Arbeitswelt dominiert beide Geschlechter – und verdrängt den Wunsch nach Kindern.
Junge Frauen wollen arbeiten – und Kinder. Das stellt das Wissenschaftszentrum Berlin unter der Leitung von Jutta Allmendinger in seiner Studie "Lebensentwürfe heute" fest, für die 501 Frauen und Männer zwischen 21 und 34 Jahren befragt wurden, die schon 2010 und 2007 in Vorgängerstudien zu Wort kamen. Wenig überraschend sind Allmendingers Deutungen. Sie begrüßt den "Wertewandel der Männer" – 76 Prozent der Männer wollen heute eine Partnerin, die "sich um den eigenen Unterhalt kümmert" (2007: 54 Prozent), macht sich aber Sorgen, weil sich die Frauen "von der Politik und den Männern ... zu wenig unterstützt" fühlen.

"Erwerbsarbeit und unbezahlte Familienarbeit müssen zwischen Frauen und Männern fairer verteilt werden", fordert Allmendinger.

Diese Tonlage der für ihre Geschlechtsgenossinnen engagierten Sozialwissenschaftlerin kennt man auch aus ihrer Vorgängerstudie "Frauen auf dem Sprung", die nicht zufällig in Zusammenarbeit mit der Frauen-Zeitschrift "Brigitte" entstand.

Familienleben ist zweitrangig

Befreit man die Befragung von Allmendingers Deutungen, vermittelt sie das Bild einer Generation von jungen Erwachsenen, die in rasender Geschwindigkeit auf das Ideal des geschlechtlich weitgehend gleichgeschalteten Arbeitstieres zusteuern. Ja, offenbar wird die Hausarbeit (Wäsche, Putzen, Kochen, Einkauf) immer noch zu größeren Teilen von Frauen erledigt.

Aber viel interessanter ist, welche Prioritäten Frauen und Männer in ihren Lebensentwürfen setzen. Und da unterscheiden sie sich so gut wie gar nicht mehr.

Kurz: Für beide Geschlechter hat die Erwerbsarbeit eindeutig Vorrang vor der Gründung einer eigenen Familie.


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