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Karriere

Finanzaufsicht BaFin sucht neue Mitarbeiter

Kirsten Ludowig
Wer für die BaFin arbeitet, kontrolliert das Finanzsystem und profitiert von der Jobsicherheit der Behörde. Der Nachteil: begrenzte Gehälter und Aufstiegschancen.
Die Juristin Sirin SargutFoto: © Rainer Holz
Die Wächter der Banken und Versicherungen arbeiten im Verborgenen. Ihre Behörde liegt weder in der Finanzmetropole Frankfurt am Main noch in der Hauptstadt Berlin. Ihre Heimat ist Bonn. Das schlichte, weiße Gebäude versteckt sich im Stadtteil Graurheindorf - mitten in einem Wohngebiet. Zufällig verirrt sich niemand hierher, und so ist es nicht verwunderlich, dass kaum jemand weiß, was die obere Bundesbehörde, die dem Finanzministerium untersteht, eigentlich genau macht. Das soll sich jetzt ändern. Im Jahr 2009 will die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Banken, Versicherungen und den Wertpapierhandel in Deutschland kontrolliert, 97 neue Mitarbeiter einstellen - nicht zuletzt, weil die Finanzkrise gezeigt hat, wie wichtig die Überwachung des Finanzsystems ist.Gesucht werden vor allem Juristen und Wirtschaftswissenschaftler für die Banken- und Versicherungsaufsicht. Deshalb rührt die BaFin jetzt die Werbetrommel, und das muss sie auch, denn eins steht fest: Die größte Stellenaufstockung seit Jahren fällt in eine turbulente Zeit für die Behörde. In der Finanzkrise haben auch deutsche Banken Milliarden verloren, und die Finanzaufsicht ist ins Fadenkreuz geraten. Ihr wird vorgeworfen, die Liquiditätsprobleme einzelner Kreditinstitute nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Auch deshalb überlegt die Politik abermals, die Finanzaufsicht neu zu ordnen. CDU/CSU und FDP fordern, die Kontrolle in einer Hand unter dem Dach der Bundesbank zu bündeln und die Doppelstruktur zu lösen. Denn: In Deutschland ist die Bankenaufsicht, im Gegensatz zu anderen EU-Staaten, zweistufig. Die Bundesbank prüft die Banken vor Ort und schickt ihre Berichte der BaFin, die, wenn nötig, Mängel im Risikomanagement aufzeigt und darauf dringt, diese zu beseitigen. Die rund 1.700 Mitarbeiter der BaFin stehen der Frage, wie ihr Arbeitgeber in Zukunft aufgestellt sein wird, jedoch relativ gelassen gegenüber. "Das sind in erster Linie politische Diskussionen", sagt Sven Hueske, "das ändert nichts an meiner Arbeit. Ich nehme es, wie es kommt."

Die besten Jobs von allen

Für viele Mitarbeiter wird ein Ortswechsel notwendigDer 35-jährige Bankkaufmann und Jurist arbeitet seit fast vier Jahren in der Bankenaufsicht in Bonn. Das, was ihm im Zuge einer Neuordnung der Finanzaufsicht lediglich droht, ist ein Ortswechsel; etwa nach Frankfurt am Main, wo die Wertpapieraufsicht der BaFin ist - und auch die Bundesbank ihre Zentrale hat. Hueskes Job dagegen ist, was auch passieren mag, sicher. Denn die BaFin punktet mit einem, in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise fast unbezahlbaren Vorteil: der Arbeitsplatzgarantie. "Wir versuchen, wenn möglich, jeden Berufseinsteiger nach Bewährung auf Lebenszeit zu verbeamten", sagt Michael Sell, Exekutivdirektor für die Querschnittsaufgaben/Innere Verwaltung, wozu das Personalreferat gehört. Das dauert - je nach Abschluss und Fachrichtung - in der Regel zwischen dreieinhalb und sechs Jahren. Die aktuelle Belegschaft der BaFin besteht zu 60 Prozent aus Juristen, zu 30 Prozent aus Wirtschaftswissenschaftlern und zu zehn Prozent aus Absolventen anderer Fachrichtungen, darunter größtenteils Mathematiker. Für den 27-jährigen Volkswirt Jan Philipp Meyer war die Arbeitsplatzgarantie ein "Riesenanreizfaktor" für seine Bewerbung. Der Vater von zwei Kindern hat vor seinem Job in der Versicherungsaufsicht bei einem kleinen Software-Unternehmen gearbeitet. "Die IT ist ein schnelllebiges Geschäft, und ich habe mich gefragt, wie viel Risiko ich meiner Familie zumuten möchte", erzählt er.Der aktuelle Konjunktureinbruch bestätigt Meyer darin, dass seine Entscheidung für die BaFin richtig war. Und noch ein weiterer Punkt zählt für ihn: die Familienfreundlichkeit. "Mein Job lässt sich sehr gut mit der Familie vereinbaren." Zwar ist er ab und zu unterwegs. Aber an normalen Bürotagen wird er von seinen Vorgesetzten oder Kollegen nicht schief angesehen, wenn er um sechs Uhr früh mit der Arbeit beginnt, dann aber um 15 Uhr geht, um seine Kinder aus der Betreuung abzuholen. "Bekannte von mir, die im privaten Sektor arbeiten und auch Eltern sind, müssen sich häufig rechtfertigen, wenn sie die Gleitzeit wirklich nutzen oder nach acht Stunden Arbeit pünktlich gehen", sagt Meyer. Und wenn der Kindergarten in den Ferien schließt oder die Tagesmutter krank wird, gibt es Eltern-Kind-Büros. Und auch im BaFin-eigenen Kindergarten findet sich der ein oder andere Notfallplatz. Darüber hinaus gibt es für Mütter und Väter die Möglichkeit, sich von zu Hause aus ins System einzuloggen und dort zu arbeiten. Da das Familienmanagement in Deutschland größtenteils noch immer in der Hand der Mütter liegt, ist die BaFin stolz darauf, dass 45 Prozent der Mitarbeiter weiblich sind - Tendenz steigend. Auch ein Viertel der Führungspositionen werden von Frauen besetzt.Behörde nur auf dem PapierUnd laut Sirin Sargut aus der Wertpapieraufsicht in Frankfurt am Main ist die BaFin eigentlich nur auf dem Papier eine Behörde. "Ich habe während meines Referendariats typische städtische Behörden kennengelernt. In der BaFin dagegen ist das gesamte Umfeld sehr flexibel und dynamisch - und die Aufgaben sind viel interessanter und anspruchsvoller", sagt die 30-jährige Juristin. Ganz leugnen lässt sich der behördliche Charakter allerdings nicht; seien es Vokabeln wie Anhörungsschreiben und Verwaltungsakte, die guten alten Umlaufmappen - oder eben das Thema Gehalt. Das große Geld lässt sich bei der Behörde mit den starren Gehaltsstrukturen nicht verdienen (Grafik unten); es ist eine Kombination aus dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst und dem Bundesbesoldungsgesetz. "In der sechsmonatigen tariflichen Probezeit und auch in den zweieinhalb Jahren als tariflicher Angestellter darf man keine großen Gehaltssprünge erwarten", sagt Familienvater Jan Philipp Meyer. Nach diesen drei Jahren gehen Volkswirte wie er in das Beamtenverhältnis auf Probe über - Juristen schon nach dem halben Jahr tariflicher Probezeit, denn ihnen wird das Referendariat angerechnet. "Dann bekommt man als Beamter nach drei Jahren im Job mit den reduzierten Abgaben und diversen Zuschlägen aber schon ein Nettogehalt, das man brutto im privaten Sektor in den Anfängen erst mal verdienen muss", sagt Meyer. Dennoch gibt die BaFin offen zu, dass ältere und erfahrene Mitarbeiter die Behörde nicht selten zugunsten eines besser bezahlten Jobs in der freien Wirtschaft verlassen."Wer mehr Geld als im Bundesbesoldungsgesetz vorgesehen ist verdienen will, muss gehen", sagt Exekutivdirektor Sell. "Wir stehen in puncto Gehalt in einem Wettbewerb mit den Unternehmen, den wir an dieser Stelle nicht gewinnen können. BaFin-Mitarbeiter sind Überzeugungstäter." In der letzten Zeit hat vor allem die Exekutivdirektorin für die Bankenaufsicht, Sabine Lautenschläger, mehrere Mitarbeiter verloren. Sie wurden von den Instituten, die sie prüften, abgeworben. Das ist nicht nur eine Folge der begrenzten Verdienstmöglichkeiten. Auch die Aufstiegschancen in der BaFin sind eher schlecht. Nach dem Einstieg als Referent im höheren Dienst folgt häufig eine Durststrecke, denn die leitenden Stellen sind in manchen Referaten knapp. Wenn, wie in der Bankenaufsicht, die Referatsleiter alle um die 40 Jahre alt sind, sieht es nicht gut aus mit dem Aufstieg. "Es wäre natürlich ideal, wenn ich sowohl mein Gehalt als auch meine Position verhandeln könnte", sagt Sven Hueske von der Bankenaufsicht. "Aber das sind Dinge, die man weiß, bevor man sich für den öffentlichen Dienst entscheidet." Noch etwas härter trifft es FH-Absolventen und Uni-Absolventen mit Bachelor: Sie beginnen als Sachbearbeiter im gehobenen Dienst und haben laut Beamtenrecht nur bei "herausragenden Leistungen" die Chance, in den höheren Dienst befördert zu werden.Ein Wechsel innerhalb der BaFin ist gut möglichDie BaFin hat deshalb zum Teil Schwierigkeiten, Mitarbeiter für diese Laufbahn zu finden. Was beim Aufstieg weniger gut klappt, funktioniert beim Umstieg umso besser. "Unsere Mitarbeiter haben die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Bereichen der BaFin zu wechseln. Das ist sogar erwünscht", erklärt Exekutivdirektor Michael Sell. Davon hat auch die 31-jährige Sina Weinhold-Koch profitiert. Die Juristin mit dem Spezialgebiet Europarecht begann in der Bankenaufsicht und konnte nach etwas über einem Jahr in ihren "Traumbereich" wechseln, wie sie sagt: die Abteilung Internationales. Nun hofft sie, bald eine Jobstation im Ausland einlegen zu können. Möglich wird das durch eine ein- bis dreijährige Entsendung zu einem der europäischen Ausschüsse, mit denen die Behörde zusammenarbeitet. Allerdings sind diese Ausschreibungen rar gesät. Zudem können sich nur die Mitarbeiter bewerben, die schon seit längerer Zeit für die BaFin arbeiten. "Der internationale Personalaustausch findet zurzeit noch im kleinen Rahmen statt, aber er verstärkt sich", sagt Sell. Trotzdem können alle Mitarbeiter an einem regelmäßigen Englischkurs teilnehmen. Sina Weinhold-Koch spricht fließend Englisch, aber Sirin Sargut aus der Wertpapieraufsicht nimmt das Angebot gerne an. "Ich habe jeden Montag eineinhalb Stunden Unterricht, denn viele Informationen in meinem Job sind nur auf Englisch verfügbar." Generell wird das Thema Weiterbildung in der BaFin laut Exekutivdirektor Sell groß geschrieben.Das Angebot richtet sich an alle Mitarbeiter. "Wir haben Einführungsveranstaltungen, in denen die Aufgabenfelder, Verwaltungsabläufe und Organisationsstrukturen im Haus erläutert werden. Wir bieten aber auch spezielle Kurse zu fast allen Themen der Aufsicht an", erklärt Sell. Die öffentliche Kritik an der BaFin bekommen die Mitarbeiter schon zu spüren - vor allem durch Berichte in den Medien. Sina Sarguts Plädoyer dagegen lautet: "Die Finanzaufsicht kann nicht mehr wissen als die beaufsichtigten Unternehmen." Beim Austausch mit anderen Aufsehern sind die Vorwürfe laut Sina Weinhold-Koch dagegen kein Thema - im Gegenteil. "Gerade bei Aufsichtsbehörden aus anderen Ländern hat die BaFin einen hohen Stellenwert", sagt sie.

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