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Schlau, nicht einsam

Fernstudium: Wer sich vernetzt, kommt schneller voran

Dorothee Fricke
Wer Bachelor, Master oder Diplom im Fernstudium erwerben möchte, sollte seinen inneren Schweinehund im Griff haben - und das über mehrere Jahre hinweg. Vereinsamen müssen die etwa 100.000 deutschen Fernstudenten nicht: Wer sich mit Leidensgenossen vernetzt, kommt meist besser voran.
Wer an einer Fernuni studiert, muss alleine lernenFoto: © © Anatoly Tiplyashin - Fotolia.com
Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Als der Postbote bei Carina Hartmann klingelte, um ihr das erste Paket Studienunterlagen für den Fernstudien-Master in Finance and Banking von der Wissenschaftlichen Hochschule Lahr (WHL) zu bringen, war die 23-Jährige gerade nicht zu Hause. Mit dem im Briefkasten hinterlassenen Abholschein in der Hand machte sie sich auf den Weg zur Post: "Als ich dann das riesige Paket gesehen habe, musste ich schon erst mal schlucken." Kiloweise Bücher und Studienbriefe schleppte die Frankfurterin nach Hause: "Das hat mir noch mal bewusst gemacht, was ich mir eingebrockt habe."Die nächsten Monate bestätigen ihre Ahnung, dass Freunde und Hobbys jetzt erst mal zurückstehen müssen. Als Absolventin eines dualen Berufsakademiestudiums war Hartmann ein strammes Programm gewohnt, doch das Fernstudium an der Hochschule der privaten AKAD-Gruppe neben ihrem Vollzeitjob als Consulting Analyst bei der Unternehmensberatung Steria Mummert ist ein anderes Kaliber: "In der Berufsakademie ist es eher wie in der Schule, jetzt muss ich mir alles selber erarbeiten."

Die besten Jobs von allen

"Ich habe Glück, dass ich ein Abendlerner bin"Etwa zehn Stunden, so schätzt Carina Hartmann, gehen im Schnitt pro Woche fürs Lernen drauf. "Ich habe Glück, dass ich ein Abendlerner bin. Und mein Freund, der in Münster studiert, muss eben das ein oder andere Wochenende auf mich verzichten." Das erste Semester ist inzwischen geschafft. Hartmann schätzt, dass es bis zum Abschluss noch fünf weitere werden: "Ich arbeite bis zu 60 Stunden in der Woche. Da ist es utopisch, den Abschluss in der Regelstudienzeit von zwei Jahren zu machen."Etwa 100.000 immatrikulierte Fernstudenten gibt es in Deutschland. Damit streben 36 Prozent der etwa 300.000 Fernlerner einen akademischen Abschluss an. Fünf Prozent der zwei Millionen deutschen Studenten sind damit bereits in einem Fernstudium eingeschrieben: Vieles spricht dafür, dass es künftig noch mehr werden. Die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master machen es möglich, dass man schneller einen ersten akademischen Abschluss in der Tasche hat. Der Anteil der Bachelorabsolventen, die für den Master nicht mehr aus dem Job aussteigen wollen, wächst.Darauf stellen sich auch die Anbieter ein: Nicht nur die zumeist privat geführten Fernhochschulen bauen ihre Studienangebote aus, auch staatliche Hochschulen rüsten ihr Fernstudienangebot auf. Vorreiter sind etwa die Hochschule Wismar oder die TU Kaiserslautern: Von den etwa 10.000 Studenten der TU Kaiserslautern sind über 3.000 in berufsbegleitend angelegten Studiengängen eingeschrieben. Andere Hochschulen bieten Fernstudiengänge im Verbund an. So haben sich die Fachhochschulen aus Hessen, Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland bereits 1996 zur Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) zusammengeschlossen.Junge Karriere hat die wichtigsten Anbieter unter die Lupe genommen. Alle vorgestellten Hochschulen sind staatlich anerkannt und bieten größtenteils bereits akkreditierte Studiengänge an: Die Abschlüsse sind also mit denen "normaler" Präsenzhochschulen vergleichbar. Doch wie findet man das passende Angebot? Die entscheidende Frage neben dem Studienschwerpunkt dürfte sein, welches Angebot am besten zur persönlichen Lebenssituation passt. Angehende Fernstudenten sollten ihre Wunschstudiengänge daher auf folgende Fragen abklopfen.1. Möchte ich jedes Semester ein festes Pensum absolvieren oder meinen Studienverlauf weitgehend frei gestalten?
2. Kann ich mich über Jahre zum Selbststudium motivieren oder gelingt mir dies in einer festen Studiengruppe besser?
3. Ermöglicht mir mein Arbeitgeber, an mehrwöchigen Präsenzphasen teilzunehmen, oder kann ich nur Seminare am Wochenende nutzen?
4. Unterhält die Hochschule ein Studienzentrum in der Nähe meines Wohn- oder Arbeitsortes oder muss ich für Präsenzveranstaltungen lange Reisezeiten (und damit auch hohe Kosten) in Kauf nehmen?
Virtuelle Mensa:Doch egal für welches Programm man sich entscheidet: So einsam, wie viele glauben, ist ein Fernstudium längst nicht. Carina Hartmann, die Masterstudentin an der WHL, schätzt die freiwilligen Präsenztage im badischen Lahr - zu jedem ihrer 15 Module während des Masterstudiums werden drei bis vier Veranstaltungen angeboten - als willkommene Abwechslung zum Selbststudium: Fast noch wichtiger als das Wiederholen oder Vertiefen der Lerninhalte ist ihr die Tatsache, dass man die Kommilitonen kennenlernt.Kaum etwas hat das Fernlernen in den letzten Jahren aber so sehr verändert wie das Internet: E-Learning in Form von interaktiven Lerneinheiten, moderierten Foren oder Gruppenarbeiten übers Netz setzen inzwischen alle Anbieter ein. Entsprechende Angebote werden überall ausgebaut, neue Lernformen wie "Mobile Learning" entstehen. Studierende der FernUni Hagen können sich bereits Teile von Kurseinheiten, wie etwa Übungsaufgaben, aufs Handy oder auf den PDA laden.

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