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Interview mit Peter Olsson

"Fehler sind ein Signal von Stärke"

Marc Winkelmann
Peter Olsson berät Promimente. Er schärft ihr Profil und erhöht ihren Marktwert. Hier erklärt er, wie man sich selbst vermarktet und was man von Oliver Bierhoff lernen kann.
Peter Olsson: "Fehler sind ein Signal von Stärke"Foto: © PR
Michael Ballack, Eva Padberg, Tokio Hotel. Die Liste von Peter Olssons Kunden ist eindrucksvoll. Gegen seinen berühmtesten Klienten verblassen aber alle: Muhammad Ali. In Olssons Münchner Büro hängen und stehen mehrere Fotos der Box-Ikone. Auf einem steht, neben einer persönlichen Widmung: "All I did was stand up for what I believed." Ein Spruch, den auch der 45-jährige Schwede verinnerlicht zu haben scheint.Junge Karriere: Herr Olsson, Sie beraten und vermarkten zahlreiche Sportler, Musiker und Moderatoren. Wann ist ein Star für Sie interessant?
Peter Olsson: Die Person muss ein Profil haben. Es gibt die verschiedensten Eigenschaften: wie zum Beispiel seriös, abenteuerlich, glaubwürdig. Einige davon muss man mitbringen, und sie sollten erkennbar sein. Die meisten Stars scheitern daran. Sie haben kein klares Profil, keine erkennbaren Interessen und übernehmen keine Verantwortung.

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Kann man ein Image kreieren?
Nein. Anders als in Amerika kann man in Deutschland keine Persönlichkeit kreieren. Man kann nicht plötzlich jemandem einen anderen Haarschnitt verpassen. Bei Politikern oder Sportlern gab es früher oft mal den Versuch, ihnen durch Schwarz-Weiß-Fotos oder Designer-Klamotten ein anderes Image zu geben. Aber die Menschen durchschauen das. Als Berater kann man nur hervorheben, was tatsächlich vorhanden ist.
Wie findet man heraus, was vorhanden ist?
Bei unseren Stars führen wir eine Marktforschung durch. Wir untersuchen, wie bekannt und beliebt ein Prominenter ist und welche Eigenschaften ihm zugesprochen werden. Davor steht aber immer ein Fragebogen mit mehr als 60 Fragen. Jeder meiner Klienten muss den ausfüllen. Einige machen das freiwillig, andere weniger freiwillig. Darin geht es um die Selbsteinschätzung. Bin ich introvertiert oder extrovertiert? Wo liegen meine Stärken? Was sind meine Schwächen? Was will ich eigentlich erreichen? Diese Fragen sollte sich jeder regelmäßig stellen.
Ist die Gefahr nicht groß, dass man sich dabei selbst belügt?
Es ist wichtig, ehrlich zu sein. Man sollte die Antworten auch keinem zeigen. Sonst tendiert man dazu, nicht die Wahrheit zu schreiben. In den Fragebögen meiner Klienten stehen viele vertrauliche Dinge drin, deswegen liegen die auch in meinem Safe. Keiner bekommt die zu sehen. Aber selbst wenn man nicht ganz ehrlich ist: Man beschäftigt sich mit seinem Image und seinen Zielen. Das ist der erste Schritt.
Wer von der Uni kommt und einen Job sucht, hat noch kein ausgeprägtes Profil. Wie entwickelt man das?
Ich rate dazu, sich am Anfang der Karriere zurückzunehmen, zuzuhören und alles aufzusaugen. Nicht gleich nach vorne drängen. Ein abgeschlossenes BWL-Studium, drei, vier Sprachen - das ist die Basis. Aber fachliche Kompetenz ist nichts wert, solange man nicht bewiesen hat, dass man die Theorie mit sozialer Kompetenz umsetzen kann. Junge Menschen ziehen zu viel Selbstbewusstsein aus dem, was sie in der Ausbildung oder an der Uni gelernt haben. Wenn sie danach aber in den Beruf gehen, sind sie Anfänger. Das darf man nicht vermischen.
Selbstbewusstsein ist gut, zu viel davon wirkt überheblich?
Richtig. Als Mensch sollte man Werte haben, diese erkennen und daraus Selbstbewusstsein ziehen. Und dann ist es wichtig, Kritik anzunehmen. Im Beruf macht man immer Fehler. Jeder scheitert irgendwann einmal. Die Frage ist nur: Bricht man zusammen - oder hat man die Kraft, wieder aufzustehen?
Kritik hört keiner gern.
Das muss man eben lernen. Man muss einerseits den Mut haben, nach vorne zu gehen und etwas zu präsentieren, andererseits aber auch Kritik zulassen. Man muss sich führen lassen und darf nicht beratungsresistent sein. Gerade und besonders am Anfang nicht. Wenn es gut läuft, findet man einen Mentor, der einem hilft. Dafür muss man offen sein.
Nehmen Ihre Stars Kritik an? Michael Ballack könnte ja sagen: Ich bin Vizeweltmeister, mehrfacher Deutscher Meister - ich lasse mir doch nichts mehr sagen.
Die nehmen Kritik an von Personen, denen sie vertrauen und die sie respektieren. Und ich rede hier von konstruktiver Kritik. Es darf nicht darum gehen, sich schlecht behandeln zu lassen.
Darf man selbst kritisieren?
Seinen Vorgesetzten? Das sollte man auch tun, aber diplomatisch. Ein guter Trainer sagt nicht: Deine Vorhand war Scheiße, und deswegen hast du verloren. Er sagt: Deine Vorhand war nicht so gut heute. Wir versuchen es jetzt mal mit einer anderen Technik, so dass du nächstes Mal gewinnst.
Wie geht man mit seinen Schwächen um?
Wenn der Chef oder ein Geschäftskunde auf einen zukommt, etwas fragt und man die Antwort nicht weiß: niemals etwas vortäuschen. Man muss den Mumm haben und sagen: Das weiß ich gerade nicht, aber ich mache mich schlau und komme schnellstmöglich auf Sie zurück.

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