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Gleichberechtigung
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Gleichberechtigung

Familienarbeit bleibt Frauensache

Tina Groll, zeit.de
Männer und Frauen sind in Deutschland gleichberechtigt. Trotz Anreizen, Arbeit und Familie gerechter aufzuteilen, sind fürs Kochen, Putzen und die Kinder noch immer vor allem die Frauen zuständig.
Seit dem 1. Juli 2015 gibt es ein neues Elterngeld: Mit dem sogenannten Elterngeld Plus sollen junge Familien dazu angehalten werden, die Familienarbeit gleichberechtigter aufzuteilen. Die Elternpaare bekommen, wenn sie sich die Elternzeit gleicher aufteilen und beide im Job etwas reduzieren zusätzliche Elterngeldmonate vom Staat. Das sollte ein Anreiz sein. Doch nur wenige Paare haben bisher davon Gebrauch gemacht. Die meisten entscheiden sich für das klassische Modell von 14 Monaten und teilen diese weitgehend traditionell auf. Während die Frau ein Jahr im Job aussetzt und dann in Teilzeit zurückkehrt, macht der Mann zwei Monate Elternzeit und arbeitet dann weiter Vollzeit – obgleich auch Väter bis zum achten Lebensjahr des Kindes ihre Vollzeitstelle reduzieren können und dabei einen Rückkehranspruch auf Vollzeit behalten.

Während mehr als zwei Drittel aller Mütter in Teilzeit arbeiten, sind es kaum zehn Prozent der Väter, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Und wenn Väter die Arbeitszeit reduzieren, steckt selten der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie dahinter. In den meisten Fällen geben die befragten Männer an, dass sie leider keine Vollzeitstelle gefunden hätten – wohingegen bei den Frauen der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Hauptgrund ist, die Arbeitszeit zu reduzieren.

Frauen investieren mehr in Familienarbeit

In Befragungen geben Frauen immer wieder an, dass sie weniger Zeit in die Erwerbsarbeit investieren, weil sie familiäre Verpflichtungen haben, selbst wenn sie kinderlos sind. Denn auch in vielen modernen Partnerschaften ist es oft die Frau, die den Großteil der Hausarbeit macht. Laut Statistik der Organisation fu¨r wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) verbringen Frauen in Deutschland im Durchschnitt 164 Minuten am Tag mit Putzen, Kochen, Bu¨geln – und Kindererziehung. Männer dagegen gerade einmal halb so viel, nämlich 90 Minuten. In diese Zeit ist alles eingerechnet, was unter Familienarbeit fällt, also auch Rasenmähen und den Kindern bei den Hausaufgaben helfen.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.01.2016

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