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Nobody`s perfect - und niemand muss es sein
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Misserfolge

Falsche Sucht nach Perfektion

Osia Katsidou, wiwo.de
Der Druck im Job steigt: Immer soll alles perfekt sein und man selbst auf den Punkt funktionieren. Wer morgens als erstes kommt und abends oft länger bleibt, ist auf dem Weg zu einem größeren Problem.
Ständig sind wir auf der Suche nach der Anerkennung anderer Menschen. Wir wollen möglichst perfekt sein: selbstbewusster Auftreten, die eigene Meinung auch gegen Widerstände verteidigen, nur keine Schwäche zeigen. Dabei ist es normal, an sich zu zweifeln und manchmal auch notwendig, um das eigene Potenzial zu entfalten. Doch bei vielen Menschen wird daraus ein Selbstzweifel, der so stark ist, dass er Leben und Arbeitsalltag maßgeblich beeinflusst.

Eng verbunden mit einem fehlenden Selbstbewusstsein, ist auch das Gefühl, minderwertig zu sein. Nicht selten kompensieren das Betroffene mit einem starken Verlangen nach Anerkennung, aber auch mit starker Eitelkeit – nicht unbedingt positiv besetzte Eigenschaften.

Sozialer Druck erhöht die Angst vor dem Versagen

Der sogenannte Minderwertigkeitskomplex führt laut Jörg Wittgen, Wirtschaftspsychologe und Managementberater, im Beruf zu häufigen Übertreibungen. Menschen, die betroffen sind, kommen oft als erste ins Büro und bleiben abends länger. "Jemand mit Selbstzweifeln sagt selten Nein zu zusätzlichen Aufgaben und beschwert sich kaum", beobachtet der Experte. Das kann in bestimmten Fällen zu einer Beförderung führen, weil sich die Mühe auszahlt. Wittgen aber warnt, dass Menschen mit Komplexen dann die damit verbundenen Anforderungen eventuell nicht erfüllen und umso größer scheitern könnten.

Auch sozialer Druck kann Minderwertigkeitskomplexe bei Individuen begünstigen. Wer Angst vor dem Versagen und keinen Rückhalt hat, ist für steten Zweifel besonders anfällig. Er fühlt sich schnell, als würde er scheitern – auf ganzer Linie.

In Deutschland ist die Fehlertoleranz gering

Das Scheitern gesellschaftlich zu entstigmatisieren, ist Ziel der Macher der Fuck-Up-Nights (FUN), einer Bewegung, die 2012 in Mexiko gestartet wurde und durch die ganze Welt ging. Die Vortragsreihe, bei der Menschen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ihre Erfahrungen des Misslingens einem Publikum mitteilen, findet unter folgendem Motto statt: Sometimes You Win. Sometimes You Learn.

In Deutschland sprachen bereits Persönlichkeiten wie der FDP-Vorsitzende Christian Lindner und bekannte Internetunternehmer wie die Samwer-Brüder von ihren Misserfolgen. Laut Ralf Kemmer, Mitinitiator von FUN und Lehrender an der Design Akademie Berlin, gibt es in Deutschland eine geringe Fehlertoleranz. "Die Deutschen sind sehr ergebnisfokussiert und somit weniger flexibel", sagt er.

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