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Die Unternehmen sind selbst schuld
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Arbeitsmarkt in Deutschland

Falsche Suche nach Fachkräften

Teil 2: "Gäbe es tatsächlich einen Fachkräftemangel, müssten die Reallöhne viel stärker steigen."

Fachleute wie Brenke kritisieren die Methodik vieler Studien. Für seinen MINT-Report stellt das IW Köln beispielsweise zwei Zahlen einander gegenüber: die der offenen Stellen und die der Arbeitslosen. "Dieser Vergleich sagt aber gar nichts aus", so Brenke: "Nicht jeder, der einen neuen Job sucht, ist arbeitslos gemeldet."

Die Bundesagentur für Arbeit bestätigt, dass sie nicht unterscheiden könne, ob zwei Stellenanzeigen auf denselben Job hinweisen. Das ist immer dann der Fall, wenn nicht nur der Arbeitgeber seine offene Stelle meldet, sondern auch der Personaldienstleister, den das Unternehmen mit der Suche beauftragt hat. Die Folge: Es gibt zwei Anzeigen für einen Job.

Der einzig zuverlässige Indikator, um Knappheiten am Arbeitsmarkt zu messen, ist für Brenke daher die Lohnentwicklung. "Gäbe es tatsächlich einen Fachkräftemangel", sagt der Forscher, "müssten die Reallöhne viel stärker steigen." Laut einer aktuellen Gehaltsanalyse der Korn Ferry Hay Group sind die Bezüge 2017 aber so wenig gestiegen wie seit 2011 nicht mehr – gerade mal um 0,7 Prozent.

Lieber mal Ursachenforschung betreiben

Fernab der akademischen Diskussion um die richtige Berechnung gibt es aber auch praktische Hinweise darauf, dass der Fachkräftemangel vor allem ein gut vermarktbarer Mythos ist.

Lars Fiehler, Geschäftsführer für Standortpolitik bei der IHK Dresden, hört ständig, wie bedrohlich der Engpass sei. Frage er jedoch genauer nach, entpuppe sich die Knappheit meist als "Mix aus harten Fakten" und "diffusen Gefühlen": Tatsächlich stattfindende Produktionsausfälle würden weitaus seltener beklagt als etwa der Rückgang von Bewerbungen. Man dürfe daher "nicht so tun, als würden uns die Menschen ausgehen. Das stimmt einfach nicht." Vielmehr müssten Geschäftsführer und Manager nach den Ursachen forschen, warum sie keine geeigneten Mitarbeiter finden.

Solche klaren Worte sind ungewöhnlich für einen IHK-Geschäftsführer, zu dessen Berufsbeschreibung gehört, vor allem für die Belange der Mitgliedsunternehmen einzutreten. Doch Fiehler ist die schmerzhafte Wahrheit lieber als eine wohltuende Lüge. Auch deshalb, weil er in seinem Arbeitsalltag Erfahrungen macht, die dem Mythos widersprechen. Regelmäßig rufen ihn zum Beispiel Menschen aus Sachsen an, die zum Arbeiten in benachbarte Bundesländer pendeln. Sie würden gerne zurück in die Heimat, finden dort aber keine Stelle.

Schwierig, aber nicht unmöglich

Solche Telefonate brachten Fiehler auf eine Idee. Zwischen Weihnachten und Neujahr veranstaltet die IHK Dresden seit 2014 mit der Handwerkskammer und dem Landkreis Bautzen Treffen zwischen rückkehrwilligen Pendlern und Betrieben, die vom Personalmangel gebeutelt sind. Rund 1600 Arbeitnehmer und 120 Unternehmen fanden sich in den vergangenen drei Jahren ein – "doch bislang ist daraus nur eine Handvoll Arbeitsverträge entstanden", sagt Fiehler. Sieht so Fachkräftemangel aus?

Das fragt sich von Zeit zu Zeit auch Carolin Unger. Die 38-Jährige leitet das Personalmarketing und Recruiting beim Technologieunternehmen Rohde & Schwarz, das unter anderem Rundfunksendetechnik und Körperscanner für Flughäfen herstellt. Natürlich sei es schwieriger als noch vor einigen Jahren, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Eine echte Bedrohung kann sie aber nicht erkennen: "Wer seine Hausaufgaben macht, findet ausreichend Arbeitskräfte."

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