Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Arbeiten im Ausland

Expats - der schwierige Weg zurück

C. Lixenfeld und K. Terpitz
Viele Unternehmen planen die Auslandsaufenthalte ihrer Mitarbeiter schlecht: Kommen die Expatriates nach der vereinbarten Zeit zurück, ist ihr Posten längst anderweitig besetzt - die Betroffenen fühlen sich wie das fünfte Rad am Wagen und kündigen häufig. Was für eine Verschwendung!
Für Expats ist der Weg zurück ins Unternehmen oft steinigFoto: © JanJar - Fotolia.de
"Aus den Augen, aus dem Sinn – das war meine bittere Erfahrung als Expat in Großbritannien“, erzählt Betriebswirt Markus Brenner. Für zwei Jahre war der Manager, der anders heißt, mit seiner Familie von einem internationalen Dienstleistungskonzern auf die Insel entsandt worden. Die Arbeit im Ausland gefiel ihm sehr – doch die Rückkehr gestaltete sich schwierig: Sein alter Posten war längst besetzt. Der Konzern strukturierte um und hatte keine interessante Position für ihn.Was aber Expat Brenner am meisten ärgerte: „Niemand sprach mit mir über meinen künftigen Einsatz, sie hielten mich hin. Alles schien planlos.“ Frustriert zog der 39-Jährige die Konsequenz und wechselte zu einem Beratungshaus: „Hier schätzt man wenigstens meine fachlichen, persönlichen und interkulturellen Kompetenzen, die ich im Ausland erworben habe.“

Die besten Jobs von allen

Betriebswirt Brenner ist kein Einzelfall. Eine weltweite Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers , die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, belegt: Die Rückkehr von Expatriates misslingt häufig. Die Berater untersuchten das Schicksal von fast 3 500 ins Ausland entsandten Fach- und Führungskräften aus den USA und Europa. Im Schnitt bleiben sie 29 Monate vor Ort – etwa 30 Prozent von ihnen sind Spitzenleister.Wichtigstes Ergebnis: Ganze 15 Prozent der Expats verlassen ihren Arbeitgeber im ersten Jahr nach der Rückkehr. „Die Fluktuation unter diesen Mitarbeitern ist also dreimal so hoch wie der Durchschnitt aller Angestellten in den untersuchten Unternehmen“, konstatiert Louis de Vries, Partner bei Pricewaterhouse Coopers. Ein Grund: „In den meisten Firmen gibt es, wenn überhaupt, nur sehr vage Konzepte für die Wiedereingliederung. Nur etwa die Hälfte der von uns untersuchten Unternehmen plant die Reintegration systematisch.“Negative Erfahrungen machte auch eine IT-Spezialistin, die von ihrem Münchener Arbeitgeber für zwei Jahre nach Paris geschickt wurde. So dachte sie zumindest am Anfang. Doch aus zwei Jahren wurden vier, weil es in der Heimat plötzlich keine adäquate Position mehr für sie gab. Schließlich suchte sie sich selbst einen neuen Job – bei einer anderen Firma.Die Konzeptlosigkeit der Unternehmen erstaunt, sind doch Auslandsentsendungen extrem teuer. Die Studie ergibt: Im Schnitt kostet jeder Expat seinen Arbeitgeber knapp 240 000 Euro pro Jahr. Auch deshalb sollten Unternehmen die Entsendung sorgfältig planen und begleiten, so Louis de Vries von PwC: „Es handelt sich um eine Investition in Know-how. Und mit Investitionen sollte man sorgsam umgehen.“ Andrea Wald, Personalmanagerin für Amerika bei BMW, berichtet: „Dass jemand aus dem Ausland zurückkommt und wir erst dann diskutieren: Wo tun wir den jetzt hin? – das gibt es heute nicht mehr. Wir haben auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren viel gelernt.“ Heute sprechen die Verantwortlichen mit dem Expat bereits über Rückkehrszenarien, noch bevor dieser die Reise antritt.Allerdings: Verbindliche Zusagen für einen bestimmten Job nach der Rückkehr gibt es nirgendwo. „Schließlich wissen wir nicht, welche Positionen in drei oder fünf Jahren zur Verfügung stehen“, gibt Hans-Joachim Geppert, Bereichsleiter Personal bei Boehringer in Ingelheim, zu bedenken. „In den meisten Fällen funktioniert die Wiedereingliederung, aber manchmal findet der Betreffende hinterher auch keinen adäquaten Posten.“ Um die Zahl dieser Fälle möglichst gering zu halten, stellt Boehringer jedem Expat einen Mentor zur Seite, der während der Zeit im Ausland den Kontakt in die Zentrale hält.Persönlichen Kontakt zu halten war auch das Wichtigste für Kurt Pötter. Er arbeitete als Entwicklungsingenieur für BMW knapp zwei Jahre in den USA. Weil sein Aufenthalt zeitlich begrenzt war, bemühte er sich von Beginn an, weder die beruflichen noch die privaten Drähte in die Heimat abreißen zu lassen. „Ich hätte allerdings vorher nicht gedacht, wie zeit- und arbeitsintensiv das ist. Die Strukturen im Betrieb ändern sich, das eigene Netzwerk kann auseinander reißen, weil Kollegen weggehen.“Pötter nutzte die kurzen Wochen, in denen er zwischendurch in München war, intensiv. Er präsentierte am Tag die Ergebnisse seiner Arbeit und traf sich abends mit Freunden und Kollegen zu Gesprächen. Der Spagat gelang – Pötter machte bei der Rückkehr in die Zentrale sogar einen Karrieresprung.Doch das ist eher die Ausnahme. Generell gilt: Wer mit einer Entsendung ins Ausland liebäugelt, sollte genau hinschauen. „Wenn vom Ausland aus kein direkter Kontakt zu den Entscheidern im Mutterhaus möglich ist und wenn es keine handfesten Rückkehroptionen schon vor der Entsendung gibt – Finger weg vom Auslandsjob“, warnt Rückkehrer Brenner. Es sei denn, man nutzt die Erfahrung, kalkuliert aber gleich mit ein, sich nachher einen neuen Arbeitgeber zu suchen.Schon bei der Vorbereitung einer Auslandsentsendung haben viele Unternehmen Schwächen, auch das ist ein Ergebnis der Studie. „Die Planung beschränkt sich häufig darauf, das Vergütungspaket und die steuerliche Situation zu besprechen“, bemängelt de Vries. Dabei ist heute die Höhe des Gehalts gar nicht der entscheidende Punkt, glaubt Andreas Bäuerle, internationaler Personalreferent bei Bosch: „Es geht darum, den Partner mit einzubinden und ihm zu zeigen, dass wir uns um ihn kümmern.“ Deshalb bezahlen die Stuttgarter seit drei Jahren einen fixen Betrag für Weiterbildung oder Jobsuche von mitreisenden Partnern, die ihren Beruf aufgeben mussten.Außerdem organisiert das Unternehmen vorab eine gemeinsame Schnupperreise ins Zielland. Einen solchen Trip machte auch Jens Mack. Eine Woche sah sich der Maschinenbauingenieur mit seiner Partnerin im chinesischen Hangzhou um. „Danach haben wir beide gesagt: Ja, das können wir uns vorstellen“, erzählt Mack, der in China für Bosch ein neues Werk für Verpackungsmaschinen aufbaute. Seine Frau gab ihren Job zunächst nicht auf, pendelte im Dreimonatstakt zwischen Deutschland und China. Doch schließlich kündigte sie, weil ihr die Pendelei zu stressig war. „Am Anfang sagte meine Frau: Drei Jahre und keinen Tag länger! Aber dann gefiel es auch ihr so gut, dass sie nicht wieder zurück wollte“, erzählt der Ingenieur. Aus drei Jahren wurden schließlich fünf – und das, obwohl das asiatische Leben ziemlich anstrengend war.Wieder zurück leitet Mack heute den Bosch-Standort für Verpackungsmaschinen in Waiblingen und trägt zusätzlich für einige Produkte weltweit Verantwortung. Bei der Planung seiner Rückkehr half ihm nicht nur ein hausinterner Mentor, den das Unternehmen jedem Expat zur Seite stellt. Zusätzlich gibt es bei Bosch Seminare, die Rückkehrern samt Partnern den Wiedereinstieg in Deutschland erleichtern sollen – damit der Kulturschock im Ländle nicht allzu groß ist.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.05.2008

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick