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Arbeiten im Ausland

Expatriates: So wird die Rückkehr zum Erfolg

Petra Blum
Karrierefalle Auslandseinsatz: Die Rückkehr in die Heimat ist für viele Expatriates häufig alles andere als ein Triumphzug. Professionelle Unterstützung finden sie kaum. Dazu: Acht Tipps, damit der Auslandsaufenthalt zum Erfolg wird.
Zurück aus dem Ausland: Oft ist die Enttäuschung großFoto: © Daniel Matzenbacher
„Eigentlich wollte ich nicht nach Russland", sagt Verena Stehle (Name von der Redaktion geändert) heute. Aber ihr Arbeitgeber, ein großes deutsches Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Jahresumsatz, schickte sie nach Moskau - zuerst für ein paar Wochen. Doch aus der baldigen Rückkehr wurde nichts: Zweieinhalb Jahre blieb die 30-Jährige in der russischen Metropole, übernahm die Leitung der Personalabteilung und baute das Filialnetz auf. „Wir haben die Zahl der Mitarbeiter insgesamt von 400 auf 2000 erhöht“, sagt sie, nicht ohne Stolz.Die Enttäuschung hätte kaum größer sein können

Die besten Jobs von allen

Die Enttäuschung, als sie zurück nach Deutschland kam, hätte kaum größer sein können: Führungsaufgabe? Fehlanzeige! Statt Anerkennung für ihre Leistung bekam Verena Stehle wieder die gleiche Position, die sie auch schon vor ihrem Russlandeinsatz hatte - eine Stelle als Referentin. So wie Verena Stehle geht es vielen Heimkehrern, die im Ausland Führungsverantwortung hatten. Rund ein Drittel von ihnen wechselt den Job bereits innerhalb eines Jahres nach der Rückkehr.Das ergab eine Befragungder Beratungsgesellschaft Deloitte unter 200 Unternehmen. Experten schätzen, dass innerhalb von zwei Jahren sogar mehr als 60 Prozent der Expats den Arbeitgeber wechseln. Immer mehr Firmen erkennen zwar das Problem, doch nur wenige haben es bisher angepackt. So gibt mehr als die Hälfte der von Deloitte befragten Firmen an, ihren Umgang mit den Mitarbeitern im Ausland überprüfen zuwollen, gut ein Drittel hält das eigene Management selbst nicht für effizient. Nur magere vier Prozent glauben, dass ihr Verfahren mit Auslandseinsätzen den Anforderungen der nächsten Jahre gewachsen ist.Dabei sind die Gründe für den Jobwechsel der Heimkehrer fast immer identisch: 77 Prozent geben zu Protokoll, mit dem Job, den sie nach der Rückkehr in ihrem Unternehmen bekommen haben, unzufrieden zu sein. 29 Prozent kommen mit dem Statusverlust nach der Rückkehr nicht zu recht. Mehr als die Hälfte beklagt, dass sie das im Ausland erworbene Wissen auf der neuen Position gar nicht einbringen können."Warum haben die mich ins Ausland geschickt?"Patrick Schild, Partner bei der Personalberatung Ray & Berndtson, war selbst viele Jahre Expatriate und weiß um die Problematik: „Oft wird einem der Auslandsaufenthalt so verkauft: Das ist gut für Ihren Lebenslauf, gehen Sie mal ins Ausland. Wenn man dann nach der Rückkehr merkt, dass man das Wissen, das man dort erworben hat, zu Hause gar nicht braucht, fragt man sich schon, warum haben die mich ins Ausland geschickt?Dann gilt es, aufkommenden Frust zu managen.“ Über eben diesen Frust zu berichten, trauen sich dagegen nur wenige Expats. Keiner will seinen Namen in der Zeitung lesen - zu groß ist die Angst, der eigenen Karriere zu schaden.

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