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Hilfeschrei im Job
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Unter Druck

"Es gibt keinen Grund, sich zu verstecken"

Daniel Rettig, wiwo.de
Schweigen, bis es nicht mehr weitergeht: Zuerst war der Berliner Rechtsanwalt Alexander Sättele ausgebrannt, dann wurde er depressiv – im Juni ließ er sich in eine Klinik einweisen. Im Gespräch erzählt er, was andere über die Krankheit nicht zu sagen wagen.

Die Oberbergklinik Berlin/Brandenburg liegt in einem Waldgebiet im Örtchen Wendisch Rietz, 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Aus den Zimmern blicken die Patienten auf den Glubigsee. Die Ruhe und Idylle ist gewollt, denn sie sollen hier vor allem eins: runterkommen.

Der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger erwähnte den Begriff Burn-out bereits 1974. Damals beobachtete er an Sozialarbeitern körperliche und geistige Erschöpfung. Unter Medizinern ist der Begriff heute umstritten: Burnout ist keine offizielle Diagnose, Psychiater sprechen lieber von Depressionen.

Experten gehen davon aus, dass allein in Deutschland vier Millionen Menschen depressiv sind – und die Krankheit ist eine der Hauptursachen für einen Selbstmord.

Von einer Verpflichtung zur nächsten

"Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen", sagte der ehemalige Swisscom-Chef Carsten Schloter in einem Interview im Mai. "Das schnürt Ihnen die Kehle zu."

Ende Juli brachte Schloter sich um, ebenso wie im Jahr 2009 der Milliardär und Ratiopharm-Gründer Adolf Merckle oder Nationaltorwart Robert Enke.

Vor allem bei Männern bleiben psychische Störungen oft unerkannt – weil die sich häufig nicht trauen, darüber zu sprechen. Der Berliner Rechtsanwalt Alexander Sättele ist eine Ausnahme. Er ließ sich im Juni mit Depressionen in die Oberbergklinik einweisen und spricht im Interview offen über seine Krankheit – und seine anschließende Heilung.


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