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Götz Otto

Erst gekellnert, dann Marktforschung gemacht

Mariam Schaghaghi
Als Marktforscher musste Götz Otto, heute Schauspieler, an Haustüren klingeln und auf der Straße Leute befragen. Von heftigen Drohungen bis hin zu einem erotischen Angebot - der Job brachte ihm einige unangenehme Situationen ein.
Götz Otto musste sich als Marktforscher viel gefallen lassenFoto: © PR
Leute, die als Schauspieler enden, haben in der Regel vorher alle schon schlimme Jobs gemacht. Ich habe während meines Studiums der Theaterwissenschaften gekellnert, als Fahrradkurier gearbeitet und - das war der schlimmste Job - Marktforschung gemacht. Da war ich 19 oder 20. Und seitdem weiß ich: Als Marktforscher ist man eine arme Sau.Ich stand in Berlin auf der Straße des 17. Juni, damals noch eine Sackgasse. Ein guter Ort, um Marktforschung zu machen, hieß es. Ich sollte überprüfen, ob das neue Zeichen für Lipton-Tee schon bekannt ist. Da wurden Daumen und Zeigefinger abgespreizt und zum L geformt. Das musste ich machen und die Leute fragen: "Entschuldigung, haben Sie dieses Zeichen schon mal gesehen?" Das führte zu ganz abstrusen Situationen und Reaktionen. Am schlimmsten war eine ältere Dame, die ihren Schirm nahm und auf mich einprügelte! Dazu kreischte sie: "Sie Schwein!" Und so trieb sie mich über die Straße des 17. Juni.

Die besten Jobs von allen

Ich denke, sie hat da was verwechselt und gedacht, ich würde ihr den Stinkefinger zeigen. Dabei war's nur ein L! Fühlte ich mich scheiße! Damals musste ich auch an Haustüren klingeln. Einmal bat mich eine Frau in ihre Wohnung. Im Flur sah ich, dass sie nur ein Negligee trug - und nichts darunter. Das stellt man sich amüsant oder angenehm vor, aber ich fand's grauenvoll. Ich fand die Frau uralt - sie war etwa 30 -, und ich stellte mir vor, wie Vaddi im verschwitzten Feinripp gleich reinkommt. Und dann machte sie auch noch ihren Gürtel auf. Das war eindeutig eindeutig! Und genau der Moment, in dem ich die Beine in die Hand nahm und ohne ein Wort rauslief. Ich war wirklich sprachlos. Es war hochnotpeinlich.Später fragte ich mich, ob die Frau täglich halbnackt auf ein Klingeln wartete? Dieser Job war eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten. Ich habe acht Mark die Stunde verdient, aber spätestens die Negligeefrau war dafür verantwortlich, dass ich mit Marktforschern nichts mehr zu tun haben möchte. Ich kann mich nicht mal heute dazu überwinden, freundliche Antworten zu geben. Ich finde Marktforschung immer noch scheiße.Lesen Sie mehr über Joberfahrungen von Prominenten:
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Dieser Artikel ist erschienen am 02.06.2010

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