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Wie sich stille Typen gegen Schwätzer durchsetzen können
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Karrieretipps – auch für Introvertierte

Erfolgreiche Selbstpräsentation im Job

Kerstin Dämon, wiwo.de
Im Vorstellungsgespräch geht es los und im Meeting weiter: Erfolg hat, wer sich am besten verkaufen kann. Pech für Introvertierte? Karrierecoach Martin Wehrle verrät, wie zurückhaltende Typen bekommen, was sie verdienen.
Herr Wehrle, in Ihrem aktuellen Buch geben Sie introvertierten Menschen Tipps, wie sie sich mit fachlicher Expertise gegen Schwätzer durchsetzen. Diese hätten Erfolg, weil sie sich gut verkaufen und in den Vordergrund spielen könnten. Die Introvertierten dagegen hätten wirklich was auf dem Kasten. Heißt das, Introvertierte sind unterdrückte Genies und Extrovertierte Blender, die durch ihr Unwissen und ihre große Klappe ihr Unternehmen und das Selbstbewusstsein der Kollegen ruinieren?

Martin Wehrle: Introvertierte sind natürlich nicht besser als extrovertierte Menschen. Beide Typen sind wichtig und Unternehmen profitieren von beiden. Aber die extremen Ausprägungen von Extrovertiertheit sind es, die einem Unternehmen schaden können.

Wie groß ist denn die Blender-Dichte unter den Extrovertierten?

Unter zehn Extrovertierten sind acht, mit denen sich super arbeiten lässt. Und zwei Schaumschläger.

Und die haben deutlich mehr Erfolg als andere, weil sie besseres Eigenmarketing betreiben, als der exzellente, aber schüchterne Kollege.

Laute Menschen werden schneller befördert, sie kriegen schneller eine Gehaltserhöhung, das ist alles richtig. Aber sie fallen auch schnell wieder – und sie fallen oft ganz aus dem Unternehmen raus.

Introvertierte machen also Karriere, sie brauchen nur doppelt so lang?

Bill Gates, Steve Jobs – das sind alles keine lauten Typen. Studien zeigen sogar, dass introvertierte Führungskräfte, die motivierte Mitarbeiter haben, erfolgreicher sind, als extrovertierte, weil sie ihren Leuten Raum geben. Hat ein motivierter Mitarbeiter dagegen einen Chef, der alles besser weiß, leidet die Motivation.

Was mir Hoffnung macht, ist, dass in Deutschland in vielen wichtigen Positionen stille, zurückhaltende Menschen sitzen. In den USA gibt es den lauten Unternehmer Trump, hier die stille Physikerin Merkel. Dem fast schüchternen Jogi Löw hat nach dem extrovertierten Jürgen Klinsmann als Bundestrainer keiner etwas zugetraut. Und was ist? Mit Löw sind wir Weltmeister geworden.

Dann ist doch alles gut oder nicht? Können und Fleiß zahlen sich langfristig aus.

Tatsächlich ist es so, dass es nix bringt, etwas gut zu können. Man wird ja schon beim Vorstellungsgespräch nicht für erbrachte, sondern für eine versprochene Leistung eingestellt. Auch bei der Gehaltserhöhung oder der Beförderung gilt das Feuerwehrprinzip: Wer am lautesten schreit, bekommt am meisten.

Bescheidenen oder zurückhaltenden Menschen ist es oft sehr peinlich, zu erzählen, wie toll sie sind. Das ist an sich eine Charakterstärke. Im Vorstellungsgespräch, bei der Gehaltsdebatte oder bei der Beförderung geht es aber nun mal genau darum, mit seinen Leistungen zu prahlen.

Also hilft nur, über den eigenen Schatten zu springen und dick aufzutragen?

Im Vorstellungsgespräch können zurückhaltende Menschen andere zitieren. "Mein Vorgesetzter hat an mir immer besonders geschätzt, dass" oder "meine Kunden haben mit mir immer besonders gerne zusammengearbeitet, weil" geht einem viel leichter über die Lippen als "ich habe" oder "ich bin".

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