Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Samy Liechti

Er will doch nur spielen

Stefani Hergert
Seinen Beraterjob schmiss Samy Liechti hin, um Socken zu verkaufen. Dank spinnerter Ideen wurden er und seine Marke bekannt. Sein Konzept geht seit elf Jahren auf - ein Marketing-Lehrstück.
Samy Liechti beweist: Socken müssen nicht langweilig seinFoto: © Blacksocks SA
Samy Liechti wäre am liebsten im Boden versunken. Es ist 1994 und er ist noch Berater, ein junger, engagierter, smarter, auf dem Weg nach oben. Als ihn sein damaliger Chef kurzfristig zu einem Essen mit japanischen Geschäftsleuten und anschließender traditioneller Teezeremonie mitnimmt, muss er die Schuhe ausziehen. Die Peinlichkeit nimmt ihren Lauf."Meine Socken hatten definitiv nicht den gleichen Stammbaum und sie waren auch nicht in der gleichen Lebensphase", erzählt Liechti, gräbt die Hände noch tiefer in die Hosentaschen seiner Jeans, und schaut verlegen auf seine braunen Slipper. "Zumal sich auch noch der große Zeh durch den hauchdünnen Stoff eines der beiden Exemplare bahnte."

Die besten Jobs von allen

Die peinliche Situation hat jedoch ihr Gutes. Sie bringt ihn auf eine Idee: Wie schön wäre es doch, immer ordentliche, neue Socken zu haben, aber sich selbst nicht darum kümmern zu müssen? Das Socken-Abo entsteht - zunächst aber nur in seinem Kopf.Die Idee nimmt Form anFünf Jahre bleibt es da auch, 1999 macht er den Onlineshop Blacksocks auf. Das Modell ist simpel: Der Kunde bestellt ein Jahres-Abo, alle vier Monate landen drei paar neue schwarze Socken im Briefkasten. Immer dasselbe Modell, immer die gleiche Qualität. 69 Euro kostet es. Und der Name Blacksocks ist Programm. "Wir halten es wie Henry Ford. Der sagte eins über das T-Modell: Sie können es in allen Farben haben, solange es schwarz ist", sagt Liechti.Er macht eine Pause, lächelt süffisant, lässt seine Sätze nachhallen. Er kann Anekdote an Anekdote reihen. Angefangen von jener, die die Initialzündung war - und eigentlich fast zu schön ist, um wahr zu sein. Im Geschichtenerzählen hat er Routine, es ist fast sein eigentliches Geschäft, denn damit wirbt er für sein Unternehmen. Für dieses hat der BWL-Absolvent der renommierten Universität St. Gallen sein altes, geordnetes Beraterleben aufgegeben. Mit schwarzen Socken im Abo, übers Internet vertrieben und nur für Männer sowie allerhand "spinnerter" Marketingideen ist Liechti selbst zur Marke geworden."Wenn ein Produkt so dermaßen langweilig ist wie Socken, dann muss man ironisieren, rumspielen, vielleicht auch ein bisschen übertreiben", sagt Liechti. Genau das macht er seit elf Jahren, setzt damit rund vier Millionen Franken jährlich um, hat 40 000 aktive Kunden, 8 000 davon in Deutschland, macht nun auch in Unterwäsche und T-Shirts und versucht gerade den Sprung in die USA. "Zurück auf Feld eins" nennt er die Expansion. Vor kurzem ist die neue Homepage online gegangen - aufgeräumter, aber auch verspielter. Natürlich. 2009 sei Blacksocks "nur" um neun Prozent gewachsen, zweistellig soll es in diesem Jahr sein.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick