Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Jobs 2007

Energie, Handel, Auto: Neue Stellen in allen Branchen

Christoph Stehr
Ihr Unternehmen baut immer noch Personal ab? Nichts wie raus aus dem Laden, Sie haben Besseres verdient. Der Aufschwung hält 2007 an, die wahren Champs der Wirtschaft stellen kräftig ein. Fast 30.000 Jobs für Einsteiger und Wechsler sind neu zu besetzen, haben Junge Karriere und der Recruiting-Dienstleister Hobsons bei der größten Unternehmensbefragung zum Absolventenmarkt in Deutschland herausgefunden.
Ein Grund zum Feiern: Massig neue Jobs in allen BranchenFoto: © Kay Ransom - Fotolia.com
Willkommen bei Job-Fone, Ihrem Full-Service-Center für grenzenlose Karrierechancen! Wenn Sie mit McKinsey in Kitzbühel Ski fahren wollen, drücken Sie die Eins. Wenn Sie bei Peek & Cloppenburg Ihr Golf-Handikap verbessern wollen, drücken Sie die Zwei. Wenn Sie sich Ihre Diplomarbeit von Ferchau Engineering mit 10.000 Euro vergolden lassen wollen, drücken Sie die Drei. Wenn Sie mit Capgemini im Fünf-Sterne-Hotel in Porto Cocktails schwenken wollen, drücken Sie die Vier Wenn Sie mit Ihrem persönlichen Recruiting-Sklaven verbunden werden wollen, drücken Sie die Null.Absolvent müsste man sein. Wer jetzt seine erste Stelle wählt, quält sich wieder. Nicht durch Nadelöhre, sondern durch eine Fülle von Alternativen, eine verlockender als die andere. Top-Unternehmen stehen für Bewerber scheunentorweit offen. Das zeigt "Jobs 2007", die deutschlandweit größte Unternehmensbefragung zum Jobmarkt für Absolventen und Jungakademiker mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung. 29.720 Stellen, die 2007 neu besetzt werden, haben karriere und der Recruiting-Dienstleister Hobsons aufgespürt. Mit der passenden Fachrichtung ist der Berufsstart oder Wechsel so gut wie geritzt.

Die besten Jobs von allen

Das Eis brichtWenn Sie unsere Standardabsage hören wollen, drücken Sie die Eins. Wenn Sie ein unbezahltes Dauerpraktikum suchen, drücken Sie die Zwei. Wenn Sie Ihren Abschluss noch mindestens vier Semester hinauszögern können, drücken Sie die Drei Wenn Sie immer noch mit Ihrem persönlichen Ansprechpartner verbunden werden wollen, legen Sie bitte auf. Diese Eiszeit scheint ausgestanden. Seit 2004 geht die Akademikerarbeitslosigkeit zurück - zurzeit liegt sie unter vier Prozent, während die Quote am Gesamtmarkt knapp zehn Prozent beträgt. Die Absolventenausbeutung geht deutlich zurück, die karriere-Initiative Fair Company zählt bereits mehr als 650 Unternehmen, die sich gegen die Ausbeutung von Praktikanten und Absolventen aussprechen.Christiane Konegen-Grenier, Referatsleiterin beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), sieht denn auch überall "positive Signale". Nach einer aktuellen IW-Studie ist der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Jobs für Absolventen anbieten wollen, mehr als dreimal so hoch wie der der Stellenstreicher. Besonders gefragt seien Maschinenbau- und Elektroingenieure, IT-Fachleute und im kaufmännischen Bereich Berater und Vertriebler. Die Untersuchung von karriere und Hobsons stützt diesen Befund. Für 2006 hatten die Unternehmen insgesamt 20.341 Neueinstellungen angekündigt (karriere 1/2006), was bedeutet, dass die Planzahlen für 2007 um satte 46,1 Prozent hochgefahren werden.In einigen Fällen steigt der Bedarf enorm. DaimlerChrysler sucht 500 Nachwuchskräfte nach 150 im vergangenen Jahr. UBS erhöht von 350 auf 500, der Engineering-Dienstleister Brunel verdoppelt auf 500. "Jobs 2007" belegt drei Trends: Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erreichen wieder ihre Rekordmarken aus den Jahren 1999/2000; Autohersteller halten ihr hohes Niveau, obwohl die Branchenkonjunktur abkühlt; Banken melden sich nach Jahren des Stellenabbaus am Absolventenmarkt zurück.Solides WachstumEitel Sonnenschein herrscht dennoch nicht. "Die konjunkturelle Entwicklung wird 2007 merklich abflachen", sagt Bernhard Gräf, Makrotrendforscher der Deutschen Bank. Mehrwertsteuererhöhung, Kürzung der Pendlerpauschale und Wegfall der Eigenheimzulage belasteten die privaten Haushalte mit über 20 Milliarden Euro, was den Konsum bremse. Außerdem lasse die Konjunktur in den USA nach - Dominoeffekte in Asien nicht ausgeschlossen. Gräf erwartet nur gut ein Prozent Wirtschaftswachstum nach 2,25 Prozent im abgelaufenen Jahr. Tröstlich: Damit würde das Wachstum immer noch mehr als doppelt so stark sein wie in den letzten vier Jahren.Claus Niegsch, Volkswirt bei der DZ Bank, teilt die Prognose. "Wir sehen keine Rezessionsgefahren", sagt er. Solides, wenn auch kein rasantes Wachstum - Deutschland, was willst du mehr? Hypes und Blasen gab es genug. Der Aufschwung reiche jedenfalls für einen "anhaltenden Beschäftigungszuwachs", versichert Norbert Braems, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim. Fach- und Führungskräfte bräuchten sich keine Sorgen zu machen: "Die Verlagerung von Produktion ins Ausland trifft vor allem den Niedriglohnsektor."Nicht nur die Konjunktur spricht dafür, dass der Bedarf an Hochqualifizierten zunimmt. Viele Unternehmen müssen dringend die Löcher stopfen, die durch Downsizing in der Verwaltung aufgerissen sind. Personalmanager Gerhard Klepser von der BHF-Bank führt außerdem "strukturelle Überlegungen" an: "Es gilt, aus dem kleineren Reservoir der geburtenschwachen Jahrgänge der 70er und 80er Jahre die Leistungsträger der Zukunft für sich zu gewinnen."Frisch gepampertUm bei den Bewerbern zu punkten, ziehen Unternehmen alle Register des Personalmarketings, vom üppig dotierten Promotionsstipendium bis zum Workshop auf Mallorca. Sparsame Studenten buchen ihren Sommerurlaub nicht mehr im Reisebüro, sondern auf den Webseiten der Personalabteilungen. Besucher von Recruiting-Messen bekommen schon mal einen iPod zugesteckt, wenn sie an einem Stand ein halbwegs interessiertes Gesicht machen. In einigen Law Firms ist die 100.000-Euro-Grenze beim Einstiegsgehalt für Junganwälte geknackt. Und Unternehmen wie Citibank, KPMG oder Motorola wärmen die nach dem Internet-Boom eingemotteten Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme auf - mit Kopfprämien von mehreren Tausend Euro.Bewerbungs-Touristen können sich freuen: "Der Kampf um hochqualifizierte Bewerber wird sich 2007 weiter verschärfen", kündigt Mareike Willimsky an, Recruiting-Chefin bei Bain & Company. Ihre Kollegin Nina Wessels von McKinsey macht die Erfahrung, dass ein großer Name nur die halbe Miete ist: "Bei der Suche nach High Potentials konkurrieren wir mittlerweile mit verschiedenen anderen renommierten Unternehmen." Da schimmert er wieder durch, der "War for Talents", jener Hype-Slogan aus den Jahren 2000/2001, der heute keinem Personaler mehr über die Lippen kommt - allenfalls politisch korrekt tiefer gehängt und eingedeutscht zum "neuen Kampf um Talente", wie Sven Breipohl von Roland Berger formuliert.Vorsicht vor LemmingenDer Appetit auf Frischfleisch erscheint zuweilen unanständig. Wie will ein Unternehmen den Zulauf von 1.000, 1.500 oder gar, wie bei Spitzenreiter Siemens, 2.300 neuen Mitarbeitern binnen zwölf Monaten verkraften? Absolventen dürfen ruhig fragen, ob es sinnvoll ist, den Lemmingen hinterherzustürzen. Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren sorgten Unternehmensberatungen für Schlagzeilen, als sie gerade eingestellten Mitarbeitern noch vor Antritt der Stelle "Ausladungsschreiben" schickten. Bewerber tun gut daran, ähnlich wie bei der Geldanlage die Risiken zu streuen, das heißt, sich in verschiedenen Branchen umzuschauen und nicht nur auf die "großen Namen" zu fliegen. Viele Mittelständler bieten attraktive und sichere Jobs - und nennen ansehnliche Einstellungszahlen, auch wenn sie damit nicht unter die Top 50 oder Top 25 gelangen.Beispiele sind der Motorsägenhersteller Stihl, der 50 Absolventen und berufserfahrene Nachwuchskräfte sucht, die Deutsche Ärzte Finanz mit 100 Jobs, Esprit Consulting mit 40, der Spezialist für Bürokommunikation NRG mit 50, der Kunststoffverarbeiter Rehau mit 80 oder der Prozessautomatisierer Sick mit 60. Das Angebot ist so breit, dass fast jeder Absolvent zum Zug kommt. Harald Stender, der das Personalmarketing der Commerzbank leitet, sieht Chancen sowohl für "punktgenau qualifizierte Spezialisten" als auch für "Führungskräftenachwuchs mit breitem Know-how". Ihr wichtigstes Rüstzeug ist und bleibt - auch das zeigt "Jobs 2007" - ein marktfähiges Studium: Wirtschaft, die Mehrzahl der Ingenieurwissenschaften, Informatik, Jura, unter den Naturwissenschaften vor allem Mathematik und Chemie.Die Nachfrage nach anderen Absolventen verliert sich in homöopathischer Dosis. Von 464 Unternehmen, die für "Jobs 2007" befragt wurden, konnten genau drei einen konkreten Bedarf beziffern. Puma sucht zehn Designer und zehn Sportökonomen, die Vermögensberatung Versiko fünf Geisteswissenschaftler, BMW 50 "andere", wobei offen bleibt, welche Studiengänge gemeint sind. Während Kaufleute und Ingenieure per Hotline in den Job starten, wird es für diese Klientel auch 2007 meist heißen: falsch verbunden.Die MethodeBis zum 24. November 2006 befragten karriere und der Recruiting-Dienstleister Hobsons - unter anderem Veranstalter des Kölner Absolventenkongresses, der größten Recruiting-Messe in Deutschland - 464 Unternehmen aller Branchen nach ihren Einstellungsplänen für 2007. Angesprochen wurden die wichtigsten Beschäftiger von Hochschulabsolventen, das heißt, nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittlere Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Anteil an akademischen Mitarbeitern, darunter Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen und Ingenieurbüros. Die differenzierte Abfrage des Gesamtbedarfs und des Bedarfs in einzelnen Studienrichtungen ermöglicht eine umfassende und, wie die Erfahrungen mit den Untersuchungen aus den vergangenen Jahren zeigen, verlässliche Prognose zum Absolventenmarkt.Mehr Infos: Hobsons GmbH, Joanna Rusin-Rohrig, Tel. 0 69.2 55 37-1 44, e-mail: joanna.rusin-rohrig@hobsons.deErfahren Sie auf den nächsten Seiten alles über die einzelnen Branchen in der Detailansicht.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick