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Endlich mehr Geld vom Chef
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Gehaltsverhandlung

Endlich mehr Geld vom Chef

Teil 4: Mehr Geld auch trotz schlechter Wirtschaftslage

An die Fairness beziehungsweise das Gerechtigkeitsempfinden zu appellieren bringt grundsätzlich nichts?

Man sollte auf keinen Fall Kollege Mayer erwähnen. Von Gehaltsstrukturen und Marktwert kann man sprechen. Und wenn ich das mit dem nötigen Nachdruck mache, dann weiß der Verantwortliche indirekt schon, um was es geht. Aber wenn ich jetzt ausdrücklich sage: "Der Mayer verdient bei gleicher Arbeit 500 Euro mehr", dann bringe ich den Mayer in Schwierigkeiten, weil er über sein Gehalt geplaudert hat. Ich bringe mich selber in Schwierigkeiten, weil ich diese Indiskretion öffentlich mache. Und ich bringe auch den Vorgesetzten in Schwierigkeiten, der befürchten muss, dass morgen noch 20 weitere Angestellte mit dem gleichen Argument kommen, wenn er mir die Gehaltserhöhung gibt. Das funktioniert so einfach nicht. Da muss man sich eine andere Strategie einfallen lassen, wie man das Gehalt vom Mayer fordert.

Jetzt habe ich mir meine Strategie überlegt und mein Chef sagt mir: "Ich würde Ihnen ja gerne mehr Geld geben, aber das Unternehmen steht schlecht da, der Markt ist unsicher". Oder er bringt einen anderen Klassiker. Und jetzt?

Ein "Nein" in einer Gehaltsverhandlung ist zunächst einmal nur ein rhetorisches Geräusch. Das hat überhaupt nichts zu heißen. Wenn ein Chef sagen würde, "Sie wollen mehr Gehalt? Ich frage mich schon lange, wann Sie mich endlich darum bitten?", spricht sich das herum.

Dass er erst einmal Nein sagt, damit muss man rechnen. Jetzt fängt die Verhandlung ja erst an. Und in der Situation müssten Sie aufzeigen, dass gerade weil die Firma in schwerer See ist, Sie an Bord des Schiffes unentbehrlich sind, um die Firma aus dem Sturm heraus zu lotsen und wieder auf Kurs zu bringen.

Wie kann ich das belegen?

Wenn ich in einer schwierigen Situation neue Kunden akquiriere, zusätzliche Einnahmen generiere oder die Ausgaben senke, dann ist meine Tätigkeit umso wertvoller. Also wenn ich wirklich eine gute Leistung nachweisen kann, dann sollte mich die Wirtschaftslage nicht davon abhalten, zu fordern.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 11.01.2016

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