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Endlich mehr Geld vom Chef
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Gehaltsverhandlung

Endlich mehr Geld vom Chef

Teil 3: Vorsicht mit dem Kollegen-Argument

Wie sollten Ihrer Meinung nach Menschen argumentieren, die relativ neu im Unternehmen sind und so etwas noch gar nicht vorweisen können?

In dem Moment, in dem man in einem Unternehmen anfängt, beziehungsweise im Vorstellungsgespräch sitzt, hat man eine vorzügliche Verhandlungsposition: In dem Moment will mich das Unternehmen an Bord holen und weiß nicht, ob ich andere Angebote habe, es muss mich vielleicht sogar aus einem bestehenden Vertrag rauskaufen. Darum werden beim Einstieg in ein Unternehmen auf das alte Gehalt im Durchschnitt zehn bis 15 Prozent draufgelegt. Manchmal sind es auch 20 oder 25 Prozent.

Und was ist, wenn man diesen Aufschlag bei der Einstellung nicht eingefordert hat?

Wenn man das versäumt hat, ist es ganz schlecht, nach einem Jahr zum Chef zu gehen und zu sagen, dass man den Babyschuhen entwachsen ist. Denn damit gebe ich ja zu, dass ich als Baby eingestellt wurde. Das funktioniert nicht. Was funktioniert ist, dass man etwas länger wartet, sagen wir anderthalb bis zwei Jahre, damit man wirklich Leistung vorzuweisen hat und dann auf dieser Grundlage das Gespräch sucht.

Sollten neue Angestellte ihre Leistungen in dem Fall mit denen des Vorgängers vergleichen?

Sie können sich, was die Leistung angeht, vergleichen, solange sie niemanden persönlich angreifen. Ich würde nicht sagen: "Der Kollege vor mir hat weniger Ergebnis gebracht", sondern: "Seitdem ich hier an Board bin, sind die Zahlen um soundsoviel Prozent gestiegen, weil ich die und die Maßnahme ergriffen habe." Damit greife ich niemanden an, mache niemanden schlecht, aber zeige trotzdem, dass ich eine gute Leistung bringe. Das gilt übrigens auch für die Höhe des Gehalts: Es ist immer eine schlechte Idee zu sagen: "Der Kollege am Schreibtisch nebenan verdient 300 Euro mehr".

Wieso eigentlich?

Das ist ein ungeheuer beliebtes Argument – was verständlich ist – aber es kann ja sein, dass Kollege Mayer einfach zu viel verdient. Daraus kann ich keinen Anspruch für mich ableiten. Außerdem hassen es Chefs, wenn man sich über Gehälter austauscht. Es ist sogar oft vertraglich verboten, was ich, nebenbei gesagt, für sehr dumm halte, aber es ist nun einmal so. Insofern sollte man eine solche Argumentation vermeiden. Was man kann und was man sollte, ist auf den eigenen Marktwert zu verweisen. Denn da schwingt ja mit, dass man sich umgehört und vielleicht sogar schon ein Angebot in der Tasche hat. Das gibt einem solchen Gespräch doch einen größeren Nachdruck.

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