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Job und Familie im Einklang
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Familie und Beruf

Elterngeld hui, Ehegattensplitting pfui

Teil 3: Vorbildliche Männergeneration

Auch fiskalpolitisch müsste in Deutschland nachgebessert werden. So zeigt die Studie des Familienministerium, dass das Ehegattensplitting die größten Nachteile für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen hat, weil es hemmend auf die Berufstätigkeit des einkommensschwächeren Partners wirkt. Der ist in der Regel die Frau.

Das Ehegattensplitting fördert damit vor allem das Modell der Hinzuverdienerin.

Andere Länder machen es besser. Auf einer Tagung der Grünen-Bundestagsfraktion zum Thema Vereinbarkeit und Familie waren sich die geladenen Expertinnen einig, dass Deutschland viel von seinen europäischen Nachbarländern lernen könne.

In Frankreich
werden Familien etwa steuerliche Anreize für das dritte Kind geboten. Ein Ehegattensplitting gibt es nicht, die Geburtenrate ist höher als hierzulande.

In Schweden,
das oft als gutes Beispiel für eine gute Vereinbarkeit genannt wird, gibt es die Individualversteuerung. Auch das fördert die Erwerbstätigkeit der Frauen.

Die britische Ökonomin Alison Wolf hat für ihr Buch The XX Factor genau recherchiert, in welchen Ländern eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut möglich ist und welches die wirkungsvollsten Instrumente sind. Demnach helfen öffentliche, flexible und vor allem kostenlose Kinderbetreuungsplätze Familien am besten – etwa wie in Frankreich, wo Familien im Schnitt Kinder bereits ab einem Alter von vier Monaten in die Krippe geben.

Keine Probleme mit Kitas und Schulen

Bei unseren Nachbarn sind die Betreuungszeiten auch so gestaltet, dass Eltern gut Vollzeit berufstätig sein können – denn sowohl die Kitas und Kindergärten als auch die Schulen sind von morgens bis zum frühen Abend geöffnet. Hinzukommt eine relativ geringe Wochenarbeitszeit in Frankreich: Im Schnitt arbeiten die Franzosen zwischen 35 und 38 Stunden in der Woche in Vollzeit. Das erklärt, warum die Teilzeitquote bei unseren Nachbarn relativ gering ist.

Noch ein Punkt ist entscheidend. Die Ökonomin Wolf weist darauf hin, dass die Diskussion um Vereinbarkeit nicht eine der Besserverdiener und Akademiker ist. Denn wenn Kitas nicht auch für Geringverdiener bezahlbar sind, bleiben gerade die Einkommensschwachen zu Hause. Das vergrößert ihr Armutsrisiko und führt auch zu Kinderarmut.

Grundvoraussetzung für eine bessere Vereinbarkeit ist aber ein Bewusstseinswandel, um die traditionellen Rollenmuster zu verändern. Ein Anfang scheint gemacht. Alison Wolf hat für ihr Buch genauer analysiert, wie sich die Geschlechter die Arbeit teilen. Und sie stellt fest:

Die Generation der jüngeren Männer kümmert sich in den allermeisten westlichen Ländern wie keine andere Männergeneration zuvor um die Kindererziehung.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

Dieser Artikel ist erschienen am 18.09.2014

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