Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Job und Familie im Einklang
Foto: motorradcbr/Fotolia.com
Familie und Beruf

Elterngeld hui, Ehegattensplitting pfui

Teil 2: Wo bleibt die Gleichberechtigung?

Bei den Männern dagegen reduzieren nur wenige ihre Arbeitszeit: Neun Prozent arbeiten in Teilzeit; und die wenigsten geben als Grund eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Betrachtet man unter den Teilzeitarbeitenden nur die Eltern, stellt man schnell fest: Teilzeit bleibt deshalb Frauensache, weil es auch die Kinderbetreuung ist.

Gefragt, warum sie ihre Arbeitszeit reduziert haben, geben die meisten Frauen an (81 Prozent), dass es die einzige Möglichkeit sei, Familie und Beruf zu vereinbaren. Diese Aussage deckt sich mit Befragungen etwa von Allensbach zur Einstellung der Deutschen zum Thema Arbeitsteilung der Geschlechter.

Das traditionelle Familienmodell lebt

Demnach geben die meisten Befragten an, dass das favorisierte Modell doch ein klassisches ist: Bekommt ein Paar Kinder, dann soll der Mann in Vollzeit arbeiten, um die Familie zu ernähren. Die Frau soll sich um die Kinder kümmern und in Teilzeit Geld für die Familie hinzuverdienen. Dabei machen seit Jahren mehr Mädchen als Jungen das Abitur, und im Schnitt erzielen sie die besseren Noten. Auch studieren mehr Frauen als Männer.

Theoretisch hätten sie die besten Karriereaussichten. Doch ab einem Alter von etwa 30 Jahren geraten sie in die Teilzeitfalle. Nicht immer ist das eine freiwillige Entscheidung. Oft sind Familien auch dazu gezwungen, ein traditionelles Modell zu leben, weil es an Betreuungsmöglichkeiten mangelt und weil keine flexibleren Arbeitszeitmodelle gibt.

Noch nicht selbstverständlich sind Teilzeitstellen, die über 50 Prozent liegen. Und so stellen immer wieder Befragungen fest, dass sich Mütter in Teilzeit eigentlich eine höhere Wochenstundenanzahl wünschen, während manche Väter in Vollzeit gerne etwas reduzieren würden.

Stockende Karriere

Hinzu kommt: Aus Teilzeit ist ein Karriereaufstieg nach wie vor unwahrscheinlich. Und die Entscheidung für eine Arbeitszeitreduzierung ist oft eine Einbahnstraße, denn ein allgemeines Rückkehrrecht auf Vollzeit gibt es gesetzlich noch nicht. Zwar bieten immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten ein solches an. Wer aber nicht bei einem Vorzeige-Arbeitgeber arbeitet, der in die Vereinbarkeit investiert, hat Pech gehabt.

Andere Studien zeigen, dass Männer eher mehr arbeiten, sobald sie Väter werden – vor allem, wenn ihr Arbeitgeber Überstunden bezahlt. So können sie den vorübergehenden Verdienstausfall ihrer Frau kompensieren. All das hält das traditionelle Ernährer- und Hinzuverdienerinnen-Modell aufrecht, obwohl viele jungen Paare sich eine gleichberechtigte Partnerschaft wünschen.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick