Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Spezial

Elektrotechnik: Forschen für die Zukunft

Ulrike Heitze
Elektrotechniker fehlen, vor allem in der Medizin- und in der Energietechnik. Trotzdem: Eingestellt wird nicht jeder. Wer keine sozialen Kompetenzen oder einschlägige Praktika nachweisen kann, hat bei Personalern kaum Chancen.
Thorsten Böhle ist E-Techniker beim Medizintechnik-Konzern Braun in MelsungenFoto: © Heiko Meyer
Ende September wird es spannend für Thorsten Böhle. Dann schließt er eines seiner Projekte ab, mit dem er sich seit gut anderthalb Jahren beschäftigt hat. Zusammen mit Kollegen hat der junge Ingenieur für seinen Arbeitgeber, das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun im hessischen Melsungen, eine neue Software entwickelt. Diese überwacht Produktionsanlagen, erfasst und dokumentiert deren Arbeit und visualisiert den aktuellen Zustand der Anlage. "Das hört sich zunächst nicht spektakulär an, ist aber ein sehr großes Projekt", erklärt der studierte Elektrotechniker. "Damit lässt sich zum Beispiel sehr schnell und direkt von den Arbeitern an der Maschine feststellen, warum es hapert und was zu tun ist. Und wenn dadurch die Produktion schneller wieder anläuft, erhöht das die Wirtschaftlichkeit enorm", erklärt er mit ein bisschen Stolz in der Stimme.26 Jahre ist Thorsten Böhle gerade mal alt, trotzdem zählt er zu den erfahrenen Kollegen des Unternehmens. Acht Jahre ist er schon bei B. Braun und hat an mehreren Projekten mitgearbeitet. Sein Einstieg gelang ihm 2001 durch ein sogenanntes "Studium im Praxisverbund", in seinem Fall ein zwölfsemestriges E-Technik-Studium an der Universität Kassel in Kombination mit einer dreijährigen Ausbildung zum Industrieelektroniker. Als Azubi betätigte sich der Nachwuchsingenieur vor allem in seinen Semesterferien, dazu kamen aber auch Besuche der Abendschule nach der Arbeit und Unterricht am Wochenende. Das intensive Bildungspaket sponserte sein Arbeitgeber mit monatlich knapp 1000 Euro. Es war eine anstrengende Zeit, sagt Böhle. Dafür hat sie ihm sehr früh berufsrelevante Erfahrungen gebracht. "Ich konnte frühzeitig lernen, das theoretische Know-how von der Universität auf konkrete Problemstellungen in der Praxis anzuwenden", sagt er.

Die besten Jobs von allen

Vor zwei Jahren hat er das Studium beendet und ist seitdem bei B. Braun im Geschäftsbereich Global Technical Services als Projektingenieur für Automatisierungstechnik zuständig. "Wir machen Prozesse effizienter und helfen, Kosten zu senken", sagt er. "Denn um im globalen Wettbewerb mithalten zu können, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als weiter zu automatisieren." So sehen das auch der Verband der Elektrotechniker und der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (VDE und ZVEI). Sie haben die Automatisierung jeweils ganz oben auf die Liste ihrer zukunftsträchtigen Bereiche für die Wirtschaft und für Elektroingenieure gesetzt.
Foto: © Junge Karriere
Gesundheits- und Medizintechnik sind besonders wachstumsstarkIm vergangenen, von der Wirtschaftskrise schon beeinträchtigten Jahr konnte dieser Bereich immerhin ein Umsatzplus von acht Prozent erzielen. Damit war die Automatisierung der Spitzenreiter noch vor der Energietechnik mit sieben Prozent. Bis 2020, so prognostizierte der ZVEI jüngst, werde die Automation ein Marktvolumen von 84 Milliarden Euro erreichen - Primus unter den Elektroleitmärkten insgesamt.Als besonders wachstumsstark schätzen Experten den Teilbereich Gesundheit und Medizintechnik ein. Trotz Krise erwartet man hier bis 2020 eine Verdreifachung des Umsatzes. Erst kürzlich kündigte General Electric an, dass man bis 2015 weltweit sechs Milliarden Dollar in das Thema Gesundheit und in den Ausbau seiner entsprechenden Töchter wie GE Health investieren wolle - von der Forschung über neue Produkte und Dienstleistungen bis hin zu einer entsprechenden neuen IT-Infrastruktur. Auch wenn keine konkreten Beschäftigungszahlen bekanntgegeben wurden, ist das doch ein deutliches Signal für die künftige Marschrichtung des Konzerns.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick