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Marketing

Eisbär Flocke erobert die Werbewelt

Katja Stricker
Ronald Höfler, 46, ist bei der Stadt Nürnberg für die Vermarktung des Eisbärbabys zuständig - und hat gerade die ersten Lizenzverträge geschlossen.
Flocke ist besonders bei Werbemachern beliebtFoto: © Ralf Schedlbauer, Stadt Nürnberg
Eisbär Flocke als Lebkuchen oder Eis, als Kartenspiel oder Stofftier. Wer künftig unter der Marke "Flocke" Produkte auf den Markt bringen darf, das entscheidet dieser Tage Ronald Höfler. Der Verwaltungsbeamte der Stadt Nürnberg ist für die Vermarktung des acht Wochen alten Eisbärbabys Flocke zuständig - dem neuen Star des Nürnberger Tiergartens. Und wie bei Vorgänger Knut vor einem Jahr wollen auch diesmal alle Kapital aus dem süßen Nachwuchs schlagen, dessen Namen sich die Stadt bereits als Marke gesichert hat.Mehr als 300 Unternehmen - von der Einmann-Klitsche bis zum bekannten Großkonzern - haben in den vergangenen Wochen Interesse an Flocke angemeldet. Beim Marketingbeauftragten Ronald Höfler herrscht daher seit Wochen Ausnahmezustand, Überstunden und Wochenendarbeit inklusive. Besonders die Spielehersteller haben Druck gemacht. Mit Erfolg: Pünktlich zur Spielwarenmesse, die gestern in Nürnberg eröffnet wurde, kann unter anderem Stofftier-Hersteller Steiff verkünden, dass er eine der begehrten Lizenzen ergattert hat. In Kürze wird es Eisbär Flocke als Schlüsselanhänger und als Stofftier in zwei verschiedenen Größen von der Traditionsfirma geben. Bereits im vergangenen Jahr hatte Steiff gut 80000 Plüschtiere im Knut-Look verkauft. Außerdem sind mit dem Nürnberger-Spielkarten-Verlag und der Mini-Steck GmbH zwei Spielwarenhersteller aus Franken beim Flocke-Hype ganz vorne mit dabei. Weitere Lizenzverträge wird die Stadt Nürnberg voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche schließen; ein heißer Kandidat ist zum Beispiel der Eishersteller Nestlé Schöller.

Die besten Jobs von allen

Nur Produkte, die nachhaltig und ohne Kinderarbeit produziert wurden, schadstofffrei sind und die Ökostandards einhalten, dürfen den Namen Flocke tragen. Das sind die wichtigsten Kriterien, die Höfler und sein Team bei der Lizenzvergabe beachten. "Wir suchen Unternehmen, die eine überregionale Reichweite haben sowie Erfahrung in Vertrieb und Marketing", sagt Höfler. Schließlich hat auch der Beamte ein Interesse daran, dass sich die Flocke-Produkte gut verkaufen. Denn die Stadt Nürnberg kassiert je nach Artikel eine Lizenzgebühr zwischen acht und 15 Prozent des Umsatzes.Dass da einiges zusammenkommen kann, hat der Knut-Hype im vergangenen Jahr gezeigt. Fast 40 Produkte des Berliner Eisbären gab es, darunter Stofftiere von Steiff, Bücher von Ravensburger und Schaumzucker-Tiere im Eisbärenlook von Haribo. Allein der Süßwarenkonzern verkaufte 400000 Dosen seiner Knut-Edition und produzierte in der Hochphase täglich rund eine Millionen Mini-Knuts aus Schaumgummi. Trotz des Erfolgs hat sich Haribo diesmal nicht um eine Lizenz beworben: "Eisbär Knut war für uns einmalig, das wollen wir nicht kopieren, sondern lieber ganz neue Produkte rausbringen", sagt Haribo-Sprecher Marco Alfter. Dem Berliner Zoo bescherte Knut 2007 einen Rekord von gut drei Millionen Besuchern und Mehreinnahmen im sechsstelligen Bereich.An diesen Erfolg will Marketingbeauftragter Höfler mit Flocke anknüpfen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, glaubt auch Klaus-Dieter Koch, Inhaber der Nürnberger Markenstrategieberatung Brand Trust. "In diesem speziellen Fall muss es kein Nachteil sein, erst als zweiter auf den Markt zu kommen", sagt Koch. "Die Flocke-Artikel werden allerdings nur so lange funktionieren, wie der Eisbär niedlich, süß und knuddelig ist - also maximal noch ein halbes bis dreiviertel Jahr", glaubt der Markenexperte. Sein Tipp: Die nächsten Wochen intensiv zur Vermarktung nutzen und so viele Lizenzen wie möglich vergeben. Für Ronald Höfler wird sich deshalb auch in den nächsten Wochen alles um die kleine Eisbären-Dame drehen. Eine willkommene Abwechslung für den 46-Jährigen, der seit 1986 als Verwaltungsbeamter bei der Stadt Nürnberg arbeitet, seit einigen Jahren vor allem als rechte Hand des Bürgermeisters und als "Mädchen für alles", so Höfler.Wenn er sich nicht um Sonderprojekte wie die Vermarktung des Nürnberger Christkindlesmarkts kümmert oder im WM-Team der Stadt Nürnberg mitarbeitet, schreibt der zweifache Vater Ausschussvorlagen und beantwortet Bürgeranfragen. Die Vermarktung von Flocke sieht der 46-Jährige "als eines der Highlights seiner bisherigen Karriere".Diesen Sondereinsatz kann Höfler sicher noch einige Monate genießen. Denn der nächste Höhepunkt der Flocke-Euphorie steht kurz bevor. Anfang April wird sich das Eisbärbaby das erste Mal der Öffentlichkeit zeigen - und dem Nürnberger Tiergarten hoffentlich einen Besucheransturm bescheren. Und auch Ronald Höfler wird Flocke dann erstmals in natura erleben.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.02.2008

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