Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Kammerjäger

Einsatz gegen Kakerlaken & Co

Markus Schleufe / Zeit.de
Kammerjäger haben eine lange Tradition - dennoch ist es ein recht junger Ausbildungsberuf. Die Zukunftsaussichten für Schädlingsbekämpfer sind gut. Mit dem Klimawandel müssen sie sich um immer neue ungebetene Gäste kümmern.
Kammerjäger bekämpfen nicht nur, sie beraten auchFoto: © bittedankeschön - Fotolia.com
Plötzlich huschte ein haariges Etwas mit einem langen, nackten Schwanz durch den Keller von Brigitte Schramm: Ratten! Sofort beauftragte die Hauseigentümerin einen Schädlingsbekämpfer. Er bestätigte: Es hatten sich tatsächlich Ratten eingenistet. Schuld war der Nachbar, ein Restaurantbetreiber, der die Speisereste nicht ordnungsgemäß entsorgt hatte. Was für Brigitte Schramm ein Albtraum war, ist für Schädlingsbekämpfer das ganz normale Tagesgeschäft."Wir versuchen immer, mit den am wenigsten schädlichen Mitteln zu arbeiten", sagt Rainer Gsell. Er ist der Bundesvorsitzende des Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband e.V. Beispiel Ratten: Meist arbeiten die Fachleute mit speziellen Fallen. Nur wenn diese wirkungslos sind, kommen chemische Mittel – Rattengift – zum Einsatz. Manchmal setzen die Kammerjäger auch natürliche Feinde ein, beispielsweise Marienkäfer gegen Blattläuse.

Die besten Jobs von allen

Ungeziefer ist nicht gleich UngezieferDie Arbeit ist vielfältig und zimperlich dürfen die Fachleute nicht sein. Die Kammerjäger unterscheiden Ungeziefer je nach Gruppe: Da gibt es die Materialschädlinge, die beispielsweise Papier, Holz, Textilien oder Bauten angreifen, es gibt die sogenannten "Vorratsschädlinge", die Lebensmittel befallen und schließlich jene Tiere, die für die Gesundheit und Hygiene gefährlich sind, weil sie Krankheiten übertragen sowie "Lästlinge", die für den Menschen eigentlich ungefährlich sind, aber als lästig empfunden werden.Was viele nicht wissen: Häufig sind Schädlingsbekämpfer am Werk, wenn es gar kein Ungeziefer gibt. Die Fachleute kontrollieren nämlich Gebäude und beraten beispielsweise Restaurantbetreiber, wie sie verhindern, dass durch Essensreste Ratten angezogen werden. "Die Arbeit wird oft als Hygienemangel empfunden. Viele denken auch, dass Schädlingsbekämpfung immer etwas mit Schmutz zu tun hat. Das ist aber nicht so", sagt Gsell.Entsprechend müssen Schädlingsbekämpfer ihre Arbeit unauffällig erledigen, zu groß ist bei den Kunden die Angst vor negativer Publicity. "In den USA wirbt die Lebensmittelbranche mit dem Einsatz von Schädlingsbekämpfern, hierzulande wäre das undenkbar. Es herrscht die Meinung vor: Wenn ein Schädlingsbekämpfer engagiert wird, muss da auch Ungeziefer sein. Dabei ist es genau umgekehrt. Die Arbeit garantiert, dass keine Schädlinge vorhanden sind."So angenehm wie ein Beratungsgespräch ist aber nicht jeder Auftrag. Denn auch wenn Messie-Wohnungen geräumt werden, müssen Kammerjäger ran. Starke Nerven sind auch bei anderen Einsätzen erforderlich: "Wenn beispielsweise eine Leiche gefunden wird, die ein paar Wochen unentdeckt geblieben und der Schädlingsbefall weit fortgeschritten ist, so ist das auch für uns unangenehm", sagt Gsell. Solche Fälle seien aber die Ausnahme.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick