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Stellenabbau Kreditinstitute

Einmal Banker – immer Banker?

Claudia Obmann
Der massive Stellenabbau der deutschen Kreditinstitute geht weiter. Doch am Know-how der Banker sind viele interessiert – und auch die Selbstständigkeit ist eine Option.

Foto: igor/Fotolia.com

Professionelle Trennung und Neuorientierung

Der Stellenabbau der Banken geht weiter. Jüngst haben die neuen Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, angekündigt, sich von rund 1000 Investmentbankern zu trennen. Und die gerade erfolgte Aufspaltung der WestLB, die teilweise abgewickelt wird, wird ebenfalls Hunderte der gut 4300 Mitarbeiter den Job kosten. Damit kommt die nächste Welle von Bankangestellten seit Beginn der Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt.

Von 2007 bis Ende 2011 hat das deutsche Kreditgewerbe, von der Sparkasse bis zur Bundesbank, schon rund 27.000 Mitarbeiter entlassen. Und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht. Experten rechnen damit, dass noch weiteres Personal abgebaut wird, weil die Geldhäuser — nicht nur diejenigen unter staatlicher Ägide wie die Commerzbank – zum Sparen gezwungen sind und die Branche insgesamt ihr Automatisierungspotenzial noch nicht ausgeschöpft hat.

Die besten Jobs von allen


Damit der Stellenabbau möglichst lautlos verläuft, engagieren die Geldhäuser sogenannte Outplacement-Berater wie Herbert Mühlenhoff. Der Düsseldorfer ist spezialisiert auf die professionelle Trennung von Arbeitgebern und Mitarbeitern und hilft bei der beruflichen Neuorientierung. Um abfindungswillige Kandidaten eines Unternehmens zu identifizieren, berät Mühlenhoff Banker bei der Entscheidung zu gehen oder zu bleiben. Und obwohl die Alternative zum Abschied vom Arbeitgeber oftmals heißt, runtergestuft zu werden oder einen Standortwechsel mitzumachen und etwa von München nach Frankfurt umzuziehen, beobachtet Mühlenhoff "einen verbreiteten Unwillen, sich auf Neues einzulassen".

Kein Wunder, "ab einer bestimmten Hierarchiestufe wird es zeitaufwendiger, eine adäquate Stelle zu finden", sagt Bernd Schuster, selbst Ex-Vorstand der NordLB, der sich vor vier Jahren als Coach und Bewerbungstrainer für Manager der ersten und zweiten Führungsebene selbstständig gemacht hat

Einmal Finanzbranche, immer Finanzbranche

Seine Klienten sind üblicherweise älter als 45 Jahre und wollen oder müssen weiter arbeiten, denn trotz üppiger Abfindungen haben sie keineswegs ausgesorgt. "Man macht in der Bank entweder Karriere als Experte oder als General Manager. Doch genau diese Positionen werden wegen der Fusionen und der Rationalisierung in der Finanzbranche immer weniger", beobachtet Schuster.

Es heißt also, neue Jobchancen aufzuspüren. Die Industrie nimmt nur wenige Ex-Führungskräfte aus der Bankenszene auf. "Die Denkweise ist zu unterschiedlich", sagt Schuster. Während Industriemanager jedes neue Geschäft als Chance auf Gewinn betrachten, werten es Banker als zusätzliches Risiko.

Ihr Know-how gilt außerdem als zu spezialisiert auf Finanzströme und ihre Branche ist vergleichsweise hoch reguliert, so dass Bankmanager im Vergleich unroutiniert wirken, was das herkömmliche Wirtschaftsleben angeht. Also versuchen die meisten Bewerber, erneut in der Finanzbranche Fuß zu fassen


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