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Manager brauchen mehr Experimentierfreude
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Modernes Management

Einfach mal die Perspektive wechseln!

Ruth Lemmer und Claudia Obmann
Manager sind verunsichert: Befehl und Gehorsam haben ausgedient, ebenso das Steuern rein nach Zahlen. Was macht eigentlich eine gute Führungskraft heute aus?
Unternehmen sind Sammelbecken unterschiedlicher Führungsstile – ein Zustand, der nicht selten ins Chaos führt. Manager Norman Goldberg, der in einem von Deutschlands größten Konzernen Karriere machte, hat das selbst erlebt: Nachdem der promovierte Chemiker von seinem Auslandseinsatz als Leiter des Südostasien-Geschäfts zurück in die Düsseldorfer Firmenzentrale kam, wurde er in vier Jahren von vier verschiedenen Vorgesetzten geführt. Die Bandbreite reichte vom Franzosen, der noch den Kasernenhofstil von Befehl und Gehorsam pflegte, bis hin zu einem Amerikaner, der sich und sein Team strikt dem Zahlendiktat unterwarf. Mittendrin der heute 49-jährige Goldberg, der es selbst seit Unizeiten schätzt, in Arbeitsgruppen zu diskutieren, Expertise einzuholen und sich mit den Kollegen abzustimmen, um schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Keine einheitliche Führungskultur

Doch je nachdem, wer in der Konzernhierarchie über ihm das Sagen hatte, wurde sein partizipativer Ansatz geschätzt oder belächelt: "Klaffen der eigene und der Führungsstil des Vorgesetzten auseinander, wird man selbst auch schlechter bewertet", weiß Goldberg. Als dann noch ein Mitbewerber aufgekauft wurde, potenzierte sich das Chaos. "Bei Firmenübernahmen geht es doch um alle möglichen Synergien. Nur um die Frage, wie sich die Führungskultur vereinheitlichen lässt, kümmert sich keiner. Durch diese Ignoranz kaufen sich Firmen unglaublich viel Ärger und Frustpotenzial bei Managern und Mitarbeitern ein", ist Goldberg überzeugt. Für ihn zumindest war das der Punkt, an dem er beschloss, seine Konzernlaufbahn zu beenden.

Wo Manager Norman Goldmann persönliche Konsequenzen zog, verharren die meisten anderen Führungskräfte dagegen in latentem Unwohlsein. Fest steht, die klassischen Führungshierarchien und -methoden funktionieren nicht mehr. Ob Dax-Konzern oder mittelständischer Betrieb – Globalisierung und Projektarbeit, der demografische Wandel, der generelle Trend zur Individualisierung, befeuert durch neue Technologien, verschieben das Machtgefüge in Unternehmen.

Zeitenwandel erfordert neue Führungsphilosophie

Mitarbeiter sollen und wollen mitdenken – und an Entscheidungen beteiligt werden. Abteilungsübergreifendes Arbeiten verlangt mehr Transparenz. Daher steht Mitarbeiterführung im neuen Zeitalter der Wissensarbeit messbar auf dem Prüfstand. So fragte das Beratungsunternehmen Hays in seinem HR-Report 2014 nach den größten Stolpersteinen für Führungskräfte. Demzufolge fehlt es 79 Prozent der rund 660 Befragten schlicht an Zeit für ihre Führungsaufgaben, 55 Prozent tun sich schwer damit, ihre Kontrollfunktion aufzugebenund ihren Mitarbeitern mehr Entscheidungsfreiheit zu überlassen. 48 Prozent wollen sich nur ungern vom traditionellen Führungsmuster verabschieden, das Anwesenheit honoriert, und stattdessen auf Ergebnisse setzen. Da ist es nur logisch, dass insgesamt 37 Prozent, mehr als ein Drittel der Manager über die Wahl des richtigen Führungsstils verunsichert ist.

Nicht nur den persönlichen Führungsstil, sondern das Gesamtpaket Management stellt das 6. Global Drucker Forum in Wien am Freitag in den Mittelpunkt der Diskussion der rund 400 Teilnehmer aus aller Welt. Zielorientierung und Eigenverantwortung hatte Managementforscher Peter Drucker schon in den 1950er-Jahren zu den Hauptfaktoren erfolgreicher Unternehmensführung erklärt. Richard Straub, Präsident der Drucker-Gesellschaft, definiert die Rolle moderner Führungskräfte in dieser Tradition so: "Manager müssen Hindernisse aus dem Weg räumen, damit Mitarbeiter kreativ arbeiten können."

Autonome Systeme schaffen

Und der renommierte Schweizer Managementberater Fredmund Malik sagt: "Managern muss es gelingen, dass sich Systeme selbst steuern, denn sie sind wegen ihrer Komplexität nicht mehr zentral beherrschbar." Dabei sieht er Vorteile europäischer Unternehmen, für die Vielfalt bei Mitarbeitern und Märkten im Gegensatz zu amerikanischen Unternehmen nichts Fremdes ist. Und die daher Vorteile beim fälligen Wandel hätten.

Thomas Sattelberger, der sein Gewicht als Personalmanager bei diversen Dax-Konzernen in die Waagschale wirft, fordert in Debatten zum Thema"gute Führung": "Führungskräfte brauchen die Lizenz zum Experimentieren." Nur so ließen sich in der komplexen und vernetzten Arbeitswelt tragfähige Zukunftsmodelle entwickeln. Sattelberger, der inzwischen für die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) spricht, sagt rückblickend: "Ich selbst fühlte mich als Personalmanager zwischen Opportunismus, Rebellion und Systemausstieg. Dieser Spagat ist ganz schön anstrengend."

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