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Familienmanagement
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Familienmanagement

Eine Frage der Zeit

Elisabeth Niejahr, Zeit.de
Neue Studien räumen mit Klischees von Rabenmüttern und abwesenden Vätern auf. Eltern verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern - aber auch im Job. Was dafür auf der Strecke bleibt.
Eltern verbringen heute im Durchschnitt nicht weniger Zeit mit ihren Kindern als früher, obwohl vor allem Frauen mittlerweile viel mehr Stunden in ihren Beruf investieren. Das zeigen aufwendig erhobene Daten des Statistischen Bundesamtes und eine bisher unveröffentlichte Auswertung im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung, die der ZEIT vorliegt.

Die Studie liest sich wie ein statistischer Beleg für die These von der "Rush Hour des Lebens", wonach der Wunsch, Elternschaft und Berufstätigkeit zu verbinden, junge Männer und Frauen unter extremen Zeitdruck setzt. Die Studie zeigt nun erstmals: Die Eltern brauchen heutzutage mehr Zeit für beides, für Job und Kinder. Und vieles andere kommt zu kurz.

Weniger Familien-Netzwerke am gleichen Ort

Nur Alleinerziehende, und das sind meist Frauen, verbringen der Untersuchung zufolge im Durchschnitt weniger Stunden im Beruf als noch vor zwölf Jahren. Das ist erstaunlich, weil die Frauenerwerbstätigkeit insgesamt stark steigt. "Es könnte daran liegen, dass berufstätige Mütter heute seltener auf Netzwerke von Angehörigen am gleichen Ort vertrauen können", sagt die Familienwissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe, eine der Autorinnen der Studie. "Früher war viel häufiger eine Oma oder Tante in der Nähe."

Die Daten, auf die sich die Autorinnen beziehen, stammen vom Statistischen Bundesamt. Es hat mehr als fünftausend Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg drei Mal befragt: in den Jahren 1991/92, zehn Jahre später und dann noch einmal 2012/13. Die Befragten führten ein Tagebuch, in dem sie über mehrere Tage hinweg protokollierten, wie sie ihre Zeit verwenden. 33.842 Einträge zu Aktivitäten wie Essen, Schlafen, Arbeiten, Sport und Kinderbetreuung entstanden allein bei der jüngsten Erhebung.

Die Autorin Uta Meier-Gräwe und ihre Kollegin Nina Klünder haben diese Daten für die Heinrich-Böll-Stiftung ausgewertet. Ihre Untersuchung zeigt, dass Männer in Paarbeziehungen sich heute pro Tag im Durchschnitt 16 Minuten mehr Zeit für ihre Kinder nehmen als noch zur Jahrtausendwende. Bei den Frauen in Paarbeziehungen sind es 25 Minuten mehr.

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