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Vertical Village
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Vertical Villages

Ein Dorf in der Stadt

von Kerstin Dämon, wiwo.de
Nach Asien und den USA entstehen nun in Deutschland Hochhäuser, in denen Manager am gleichen Ort leben und arbeiten sollen. Was als Investment mittelfristig taugt, ist städtebaulich und arbeitspsychologisch fragwürdig.
Stellen Sie sich vor, Ihr Chef schickt Sie für vier Jahre zum Arbeiten nach Shanghai. Oder nach Hongkong. Vielleicht nach Singapur. Und Sie können Chinesisch oder Tamil weder sprechen noch lesen. Was bei der Arbeit dank Weltsprache Englisch kein Problem sein sollte, wird im Alltag schwierig: Wo kauft man ein – und was? Wie sollen sich die Kinder verständigen? Mit was vertreibt sich der Partner die Zeit? In den asiatischen Metropolen gibt es für die sogenannten Expats aus Europa, Kanada, USA und Australien eine Lösung: Service Appartements.

Lebenskonzept: Alles unter einem Dach

In Hochhäusern und westlichen Enklaven innerhalb der Stadt bekommen die Manager ein Gefühl von Heimat: Westliche Supermärkte im Haus oder vor der Tür sorgen dafür, dass es auch in China nicht an der Leberwurststulle mangelt. Die Kinder gehen in westliche Schulen oder Kitas vor Ort und wer möchte, kann seinen Haushalt oder die Einkäufe vom Personal erledigen lassen. Wer hier lebt, muss auf nichts aus seiner Heimat verzichten – und sich nicht in die fremden Städte integrieren.
"Wir bieten mehr als ein Gebäude. Wir bieten ein Lebenskonzept", sagte CG-Gründer Christoph Gröner. Preislich wird das Ganze laut Plan knapp über der ortsüblichen Durchschnittsmiete liegen, Solaranlagen & Co. sollen die Nebenkosten gering halten.

Zu Gröners Zielgruppe gehören Spezialisten und Manager, die ein paar Monate oder Jahre in einer Stadt bleiben und dann weiter ziehen. Angesprochen werden sollen Akademiker zwischen 20 und 35 Jahren, Unternehmer ab 55 und erfolgreiche Singlefrauen.

Manager-Hochhaus in Frankfurt geplant

Nicht nur die CG Gruppe ist ausgezogen, den Manager-Wohnungsmarkt zu revolutionieren. Mitte Januar gab Hochtief bekannt, für die NH Projektstadt GmbH, eine Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, das bislang höchste Wohngebäude im Frankfurter Europaviertel zu bauen. Das Gebäudeensemble mit dem klangvollen Namen Praedium soll aus insgesamt 242 Eigentumswohnungen auf 24.000 Quadratmetern Wohnfläche bestehen, davon 83 Wohnungen in einem achtgeschossigen Gebäude und 159 Wohnungen in einem 19-geschossigen Wohnturm. Das Auftragsvolumen liegt bei rund 60 Millionen Euro, das deutschlandweite Bauprojekt CG-Immobiliengruppe soll mit rund 680 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Verdienen lässt sich mit solchen Bauprojekten eine Menge, denn die Nachfrage an Wohnraum in den Städten wird immer größer. Laut Zahlen der Fraunhofer-Gesellschaft sorgt die weltweit fortschreitende Urbanisierung dafür, dass schon heute mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten leben; bis 2030 werden es 60 Prozent sein. Zu wenig Wohnraum und steigende Mieten sind die Folge.

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