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Dresscode: Symbole der Macht
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Kleidungsknigge

Dresscode der Macht

von Lin Freitag, wiwo.de
Der Geschäftsführer der deutschlandweiten Maßschneidergeschäfte Cove & Co weiß, was mächtige Männer tragen. Im Interview gibt er Einblicke in die Psychologie der Mode.
Herr Tücking, Sie tragen heute einen mittelblauen Einreiher, zwei Knöpfe, weißes Hemd, gestreifte Krawatte, weißes Einstecktuch, Manschettenknöpfe und braune Oxford-Schnürschuhe – auf einer Skala von eins bis zehn: Wie mächtig sind Sie?

Also ich belege mit Sicherheit keine zehn auf der Skala, dafür bin ich zu modisch angezogen. Als Chef eines Dax-Konzerns kleidet man sich anders.

Und wie?

Ein brauner Schuh zum Beispiel ist auf der Vorstandsetage nicht gern gesehen, dort trägt man traditionell schwarz. Der Schuh ist generell sehr wichtig. Er sollte immer rahmengenäht sein und einen klassischen Schnitt haben, etwa einen Monk, Cap Toe oder Half Brogue. Dazu einen schmal geschnittenen Einreiher, eine seidene Krawatte, Manschetten-Knöpfe – das ist der moderne Dresscode der Mächtigen.

Und was ist mit Managern à la Martin Winterkorn, der immer noch am liebsten weit geschnittene Zweireiher mit Nadelstreifen trägt?

Früher, etwa zu Zeiten der Deutschland AG, waren die Manager sicherlich noch ganz anders gekleidet. Aber das klischeehafte Bild des dickbäuchigen Unternehmenslenkers mit fetter Zigarre ist überholt. Heute gehört eine gewisse Fitness zum Dresscode der Macht. Dadurch sind die Anzüge heute körperbetonter und sportlicher geschnitten. So kann auch ein Zweireiher modern wirken. Aber egal ob Ein- oder Zweireiher: Der Anzug muss perfekt sitzen, die Umschlagmanschette muss exakt 1,5 Zentimeter unter dem Jackenärmel hervorschauen, der Krawattenknoten muss korrekt gebunden sein. Ich erkenne am Knoten sofort, ob der Träger geübt ist oder den Binder nur mit Widerwillen trägt.

Welche modischen Fehltritte gilt es noch zu vermeiden?

Der bekannteste Fauxpas ist sicherlich Socken statt Strümpfe zum Anzug zu tragen. Ein nacktes Männerbein ist auf der Chefetage tabu. Ebenfalls zu vermeiden sind Hemden mit Brusttasche, vor allem um darin Zigaretten oder Stifte zu lagern.

Welcher Manager verkörpert einen zeitgemäßen Dresscode der Macht?

Ich finde der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, ist ein gutes Beispiel. Er hat einen sehr angelsächsisch geprägten Stil. Wer einmal in London bei einer Investmentbank gearbeitet hat, der wird nie mehr mit einem geklebten Schuh rumlaufen.

Anshu Jain trägt aber auch Rucksack statt Aktenkoffer. Ist das mit seiner Position zu vereinbaren?

Es gibt heute verschiedene Manager-Typen. Mittlerweile kommt der Vorstandsvorsitzende auf dem Mountainbike und mit kurzer Hose am Samstag zu uns in den Laden. Das wäre früher undenkbar gewesen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch den Manager vom Schlag des ehemaligen Linde-Chefs Wolfgang Reitzle, der nie ohne Manschettenknöpfe in die Öffentlichkeit treten würde und vermutlich rechtlich gegen ein Foto von ihm in Freizeitkleidung vorgehen würde. Reitzle interpretiert seinen Status eben konservativer, als beispielsweise der Henkel-Chef Kasper Rorsted oder der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann.

Hat der moderne Manager gar keine Statussymbole mehr?

Doch, aber es sind andere als früher und vor allem lassen sie sich nicht mehr so einfach erkennen. Zum Beispiel Zalando-Gründer Oliver Samwer – der ist milliardenschwer und trotzdem sehr leger gekleidet und mit dem Rad unterwegs. Aber das heißt nicht, dass diese Generation keine teuren Uhren oder Füllfederhalter mehr tragen. Aber sie haben die goldene Rolex gegen ein dezentes Modell aus einer kleinen Manufaktur eingetauscht.

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