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Kriminell
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Trennungskriminalität

Dramatische Situation für Unternehmen

Tina Groll, zeit.de
Wirtschaftskriminalität verändert sich, sagt Detektiv Manfred Lotze. Bestechung und Korruption waren noch vor kurzem am gefährlichsten für Unternehmen. Doch heute gehe es um das illegale Abwerben von Mitarbeitern.
Herr Lotze, Sie spüren als Detektiv kriminellen Mitarbeitern nach. Was sind die häufigsten Vergehen?

Manfred Lotze: Bislang wurden wir vor allem beauftragt, wenn Arbeitgeber den Verdacht hatten, dass ihre Mitarbeiter stehlen, bestechlich sind oder Geld unterschlagen. Seit einiger Zeit beobachten wir, dass Trennungskriminalität stark zunimmt. Sie ist mittlerweile einer der häufigsten Gründe, weshalb Unternehmen detektivische Hilfe in Anspruch nehmen.

Was genau ist Trennungskriminalität?

Man spricht davon, wenn wichtige Mitarbeiter kündigen und trotz Wettbewerbsverbot bei der Konkurrenz anheuern oder vertragliche Pflichten verletzen. Oder wenn sie Patente, Innovationen oder ganze Kundendaten mitnehmen oder Betriebsgeheimnisse verraten. Jüngst hatten wir den Fall, dass eine ganze Abteilung mit sieben Personen zur Konkurrenz ging – inklusive Geschäftsführer, Einkaufs- und Vertriebsleiter sowie Außendienstmitarbeitern. Das waren Mitarbeiter, die teilweise 20, 30 Jahre lang im Unternehmen waren. Wenn so etwas passiert, ist das für einen Arbeitgeber eine dramatische Situation. Er verliert wichtiges Knowhow, er verliert Marktanteile, Kundendaten und Kundenkontakte sowie Einkaufskonditionen. Es dauert Jahre, bis er das wieder aufgebaut hat. Allein um neues Personal zu rekrutieren, sind große Investitionen nötig. Trennungskriminalität kann Arbeitgeber in den Ruin treiben.

Aber was ist daran illegal, den Arbeitgeber zu wechseln, wenn die Konkurrenz ein besseres Angebot macht?

In der Regel hat der Arbeitgeber ja vorgesorgt: Mitarbeiter in Schlüsselpositionen verpflichten sich durch ihren Arbeitsvertrag unter anderem dazu, keine Betriebsgeheimnisse zu verraten. Der Arbeitgeber ist dann gut beraten, zusätzlich ein Wettbewerbsverbot zu vereinbaren. Verstoßen die Mitarbeiter dagegen, ist das illegal. Dann kann der Ex-Arbeitgeber klagen. In dem Fall mit der abgeworbenen Abteilung hat unser Kunde umgehend Unterlassungsklage beim Arbeitsgericht erhoben und Recht bekommen. Damit waren die ausgeschiedenen Mitarbeiter daran gehindert, bei der Konkurrenz sofort tätig zu werden.

Wie ermitteln Sie in diesem Bereich?

Lotze: Wir überprüfen, ob die Aussagen der ehemaligen Mitarbeiter wahrheitsgemäß sind und ob sie sich etwa an das Wettbewerbsverbot halten. Ein beliebter Trick ist, dass die Mitarbeiter zum Schein bei einer Tochterfirma des Konkurrenten beschäftigt sind, aber in Wirklichkeit natürlich direkt für die Konkurrenz arbeiten. Wir setzen zur Beobachtung immer mindestens zwei Personen ein. Häufig ist auch ein Tarnauto notwendig. Ein Teil der Vorermittlungsarbeit erfolgt aber auch schon vom Büro aus. Wichtig ist, dass wir alles gerichtsfest dokumentieren und gegebenenfalls als Zeugen vor Gericht oder außergerichtlich bei einer Gegenüberstellung unsere Ergebnisse zur Zielsetzung des Kunden einbringen.


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