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Patentanwälte

Dolmetscher zwischen Recht und Technik

Claudia Obmann
Naturwissenschaftler und Ingenieure können den Laborkittel gegen eine Robe ersetzen - durch eine Weiterbildung zum Patentanwalt. Der Weg ist aufwendig und lang. Dafür lockt am Ende ein Job, der sowohl Krisenfest als auch gut bezahlt ist.
Patentanwälte sind technisch und juristisch ausgebildetFoto: © Fineas - Fotolia.com
Neuheiten sind oft schneller raubkopiert als ihre Erfinder gucken können. Wer seine technischen Innovationen, Marken, Designs oder Software schützen oder verteidigen will, zieht einen Patentanwalt zu Rate. Der 3000ste Vertreter dieses Berufsstandes, der sich als Dolmetscher zwischen Recht und Technik versteht, wird im Laufe dieses Jahres in Deutschland zugelassen."Vor allem Elektrotechnik-Ingenieure sind stark gefragte Nachwuchskandidaten", sagt Elisabeth Reinhard, Geschäftsführerin der Patentanwaltskammer in München. Denn anders als oft vermutet, sind Patentanwälte keine reinen Juristen, sondern Naturwissenschaftler oder Ingenieure, die erst nach ihrem Uni-Abschluss und mindestens einem Berufsjahr mit der "Ochsentour" zum Patentanwalt beginnen: Die Akademiker durchlaufen dann eine zusätzliche 34-monatige Ausbildung im Gewerblichen Rechtsschutz.

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Dazu gehören verschiedene Stationen: mindestens 26 Monate lang sind sie bei einem Patentanwalt praktisch tätig. Danach geht es zwei Monate ans Deutsche Patent- und Markenamt und sechs Monate zum Bundespatentgericht in München. Gleichzeitig belegen die Kandidaten an der Fernuniversität in Hagen den zweijährigen Studiengang "Recht für Patentanwälte", um sich fit für die Abschlussprüfung zu machen - und natürlich für das korrekte Anfertigen von Anträgen, Klagen oder Schadensersatzforderungen.Die Mühe zahlt sich aus"Der Patentanwaltsberuf ist ein Geheimtipp mit Durststrecke während der Ausbildung", erklärt die promovierte Diplom-Physikerin und Patentanwältin Dorothée Weber-Bruls. Doch die Mühe lohnt sich offenbar: Sie leitet heute bei der Kanzlei Jones Day die Abteilung, die sich mit Physik-Patenten in Europa beschäftigt. Ihr Einkommen dürfte im sechsstelligen Bereich liegen, denn die Honorare sind frei verhandelbar. Und die Schadenssummen, um die es geht, können für ein einziges vertretenes Dax-Unternehmen bei mehreren Millionen Euro liegen.Wer sich bis zur Patentanwaltszulassung durchbeißt, hat einen krisenfesten Job: In der wirtschaftlichen Flaute mehren sich Streitfälle stets. Weber-Bruls: "Jeder Inhaber eines Schutzrechtes ist sauer auf Wettbewerber, die sein Patent verletzen. Gleichzeitig befeuert die Krise die Kreativität bei der Suche nach durchsetzbaren Ansprüchen."Und weil Unternehmen ihre Patente auch verpfänden oder bei Fusionen in die Waagschale werfen, sind Patentanwälte auch gefragte Kooperationspartner von Wirtschaftsprüfern und -juristen. Strategisches Denken und Kommunikationsgeschick sind gefragt, wenn es darum geht, Neuheiten für Mandanten zu schützen. Nötig ist zudem Geduld, auch wenn der Raub nur einen Augenblick dauert. Eine Patentrechtsverletzungsklage kann sich durch alle Instanzen bis zu zehn Jahre hinziehen.Lesen Sie mehr zum Thema "Jura":
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Dieser Artikel ist erschienen am 16.04.2010

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